Darstellung von jungen Charakteren - Oder: Wie überlebt man im Haifischbecken? #
selbstständig erstellt von Lydia Pritschet
Die WoD ist nicht genauso wie unsere reale Welt. Sie ist um ein Erhebliches grausamer und finsterer. Das bedeutet jetzt nicht, dass jeder Bewohner dieser fiktiven Welt automatisch Goth oder Emo ist, sondern, dass die Moralvorstellungen viel fließender verschwinden, als in unserer realen Welt. Gesetze werden nur schneller ignoriert, die Polizei ist schneller überfordert, denn das Maß an Kriminalität liegt höher. In dieser Welt gibt es selbstverständlich Menschen, nur unterscheiden sich die schon ein wenig von uns. Sie sind Freunde der Koruption oder Opfer dieser. Wer immer schluckt, der wird irgendwann zwangsläufig zum Täter. Jeder Mensch der in der WoD existiert kann interessant sein für einen Vampir, als Bediensteter oder als Artgenosse, warum ein Vampir einen Menschen auswählt um sich mit ihm zu umgeben ist seine Sache.
Ja, ein Vampir hat seine eigene Motivation, warum er gedenkt andere zu seiner Art zu machen, aber sei gewarnt, lieber Rollenspieler: Für die Darstellung eines solchen Monsters ist es immer wichtig, den Charakter des Menschens zu kennen, bevor du mit einem Charakter ins Spielgeschehen einwirkst solltest du folgende Fragen für dich klar beantwortet und mit deiner SpielLeitung darüber gesprochen haben: Wer war mein Charakter als Mensch? Wie gestaltete der Charakter seinen Alltag? Aus welchen Gründen ist ein Vampir auf diesen Menschen aufmerksam geworden? Was war ausschlaggebend für die Erschaffung? Was für ein Wesen hat der Erschaffer?
Aus einer Welt kommend, in der man sich zwischen Opfer- und Täterrolle entscheiden kann, wird der ehemalige Mensch nun mit erheblichen Veränderungen konfrontiert: Die Frage: Was esse ich heute? wird ersetzt durch die Frage: Wen esse ich heute? Denn Auswahl, aus der ja ein Mensch durchaus bestimmte Befriedigung zieht, ist nicht mehr. "Mit dem Essen spielt man nicht!" Wird mit der Gegenaussage: "Was anderes, dass mich befriedigt, ist nicht so leicht zu bekommen!" entkräftet und in den Schatten gestellt. Sexuelle Befriedigung, das war einmal. Das Einzige, was annähernd an das Gefühl eines Orgasmus' herankommt, ist das Gefühl, zu trinken, oder von einem anderen Vampir gebissen zu werden. Dies ist aber recht schwierig in Sachen Ausleben. Man bekommt tolle neue Kräfte, aber auch die benötigen Zeit sich zu entwickeln und das Erlernen dieser ist oft mit viel Anstrengung und Schmerzen verbunden. Der Leser bemerkt: Das Leben ist anders, nicht nur in Nahrungsbelangen, und alles, aber bestimmt kein Zuckerschlecken. Der Mensch kommt aus demokratischen Verhältnissen und soll sich nun beugen, jede andere dieser Kreaturen steht über ihm. Er ist für die Zeit seiner Erziehung in der Opferrolle, ohne dass er die Wahl hatte.
Der junge Vampir, der Reizüberflutung ausgeliefert, braucht eine Hand, die ihn führt und erstmal unbeschadet durch die neue Welt bringt.
Kind spielen ist hart aber einfach! So ein weitverbreiteter Ansatz, nicht nur unter uns Spielleitern. Kind spielen, kann je nach Erschaffer die Hölle auf Erden sein, aber im Kind spielen ist eine Notbremse eingebaut. Neuspieler, die sich nicht sicher sind, wie die Welt aufzufassen ist, oder einfach noch diverse Hemmungen haben alleine zu agieren, für die kann es sehr hilfreich sein im Spiel einen Charakter zu haben, der ihren Charakter erwählt hat und deshalb zu ihm steht. Auch die Tradition der Rechenschaft, die besagt dass der Erschaffer für die Taten seines Kindes zur Verantwortung gezogen werden kann ist hier sehr hilfreich. Aber: Alte Chars, die wissen wie der Hase läuft und die Macht innerhalb einer Domäne behaupten, die nehmen nicht Hinz und Kunz zum Kind. Zwei Spieler bilden hier dann ein Team, der eine, der sagt wo es lang geht, der steht immer in der Verantwortung. Er muss charakterkonform, spielweltkonform und seinem Gegenüber konform handeln. Und der andere, der hier eine elitäre Grundausbildung genießt, der hat die Aufgabe zu dienen. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich an dieser Stelle den Tip geben: Tue alle deine Aufgaben mit Passion und Ehrgeiz, denn dann hast du sehr viel mehr Spass an der Rolle. Spieler, die generell Probleme mit Autoritäten haben, sollten sich nicht überlegen, ob sie ein Kind spielen, die sollten sich überlegen, ob sie ganz auf das VampireLive verzichten wollen. Denn Autoritäten gibt es in diesem Spiel an jeder Ecke und auch die tollsten und mächtigsten Charaktere werden früher oder später mit einem größeren Fisch konfrontiert.
Der Erzeuger muss also sein Kind begleiten und für seine Taten geradestehen, es in die Gesellschaft einführen und ihm alles Wichtige zum Überleben beibringen. Und was ist das "Wichtige" jetzt genau? Jeder erfahrene Vampirespieler würde nun gelangweilt: Die Traditionen! rufen. Und er möge zu 70% Recht haben. Die anderen 30%, des Wissens, das ein Kind zum Neonaten macht sind Umgangsformen. Der Neonat muss wissen, wie er welchem Stand begegnet.
Ich persönlich glaube, dass der Erzeuger viel Wissen zurückhält um das Kind ersteinmal nach seinem Willen zu formen. Der Freispruch erfolgt viel früher, als das die Ausbildung abgeschlossen ist. Man kennt als junger Neonat die Ämter der Domäne und der Camarilla, kann die Aufgaben benennen und weiß wie man wem gegenüber Respekt zollt. Man kann die Traditionen runtereiern, aber ob deren Bedeutung so richtig klar ist, ich bezweifle das.
Das wäre für mich nun die Startsituation, in der sich ein 2 bis 3 jähriger Charakter befindet. Vom Erzeuger das Nötigste mitbekommen, ist er nun motiviert seine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Und nun kommt der Haken: Alle jungen Neonaten wollen aufsteigen um nicht mehr schlucken zu müssen, alle treten sie und reiben mit den Ellbögen. Macht dein Charakter nicht mit, wer schützt ihn dann davor? Der Erzeuger und damit der Welpenbonus sind nicht mehr so wie noch zuvor. Ergo tut der Charakter das, was alle tun, sich treten, Intrigen spannen und versuchen aufzusteigen. Hierbei legt er sich auch immer mit Älteren an, denn auch die behaupten Felder ihrer Macht, die als unbetretbar gelten. Neonaten, die sich über längere Perioden behaupten können werden von Älteren gefördert, ihnen dienlich gemacht. Der Neonat, der in meinen Augen nun mindestens 10 Jahre alt ist, besitzt dann den Schutz eines Ancillae, muss dafür aber ackern. Der Ancilla ist vielleicht geneigt ihm mehr von der Welt zu erklären und der Neonat bekommt Einsicht in die Positionen der Ahnen zueinander, in die Positon der Ancillae zueinander, er kann dann Dinge auch eigenmotiviert tun. Aber Fakt ist: Ohne das Wissen und die Gunst der Älteren ist der Neonat auf sich allein gestellt und voll dem Survival of the fittest ausgeliefert. Auch dieser Weg kann an ein Ziel führen, aber er hat vermutlich mehr Steine und Stolperfallen parat.
Zum Abschluss noch ein paar Stichpunkte, die ich mal als Zusammenfassung des Textes werten möchte:
Was beschäftigt junge Chars? #
die Welt in der sie leben,die Älteren, die ihnen die Welt diktieren,
das Tritzen untereinander um sich von der Masse abzuheben
Was lernen junge Chars? #
Das, was ihnen die Alten beibringen, oder das was sie schmerzlich selbst erfahrenVon was ist ihr Überleben abhängig? #
Glaubwürdigkeit, Connections, Verhalten gegenüber höhergestellten CharsDer Vorteil von jungen Vampiren #
Gibt es so etwas überhaupt? Eindeutige Antwort: JaDie wichtigsten Erfindungen und Entdeckungen des 20. Jahrhunderts
Diese Liste zeigt klar, je jünger der Vampir, desto vertrauter ist er mit der modernen Technik. Ein kleiner, aber manchmal bedeutender Unterschied.
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