CsnStatus

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Das C:SN Status Handbuch "Die Macht der Worte" #


Quelle:
Vampire: The Requiem, Werewolf: The Forsaken, Mage: The Awakening, Vampire: The Masquerade, Werewolf: The Apocalypse, Mage: The Ascension, Hunter: The Reckoning, Demon: The Fallen, Changeling: The Dreaming, Wraith: The Oblivion, Kindred of the East, Vampire: The Dark Ages, Dark Ages, A World of Darkness, White Wolf, das White Wolf-Logo sowie alle bezugnehmenden Begriffe und Symbole sind eingetragene Markenzeichen von White Wolf, Inc.

Copyright der deutschen Übersetzungen und Namen Feder&Schwert,
Graute, Heweker, Hoffmann und Hoffmann GbR.
Feder&Schwert und das Feder&Schwert-Logo sind
eingetragene Markenzeichen des Verlags Feder&Schwert.

Status-Regeln der C:SN (c) Andreas "AAS" Schroth, 2003/2004
nach einer Idee von Dirk Pullem
Publikation und Verwendung, auch Abwandlung erlaubt, aber bitte mit kurzem Hinweis
auf den Original-Urheber bzw. auf www.sanguis-novus.de sowie unter vollständiger
Angabe des Copyright-Hinweises von White Wolf / Feder&Schwert und nur für nichtkommerzielle Zwecke.


EINLEITUNG #




"Es wurde in diesen Untersuchungen oft hervorgehoben, dass das Gesamtniveau
einer Gruppe sehr nahe am Niveau des Tiefststehenden in ihr liegt; denn es kann
in der Regel der Hohe zum Niederen hinuntersteigen, aber nicht der Niedere zum Hohen
hinauf; was ihnen also gemeinsam sein soll, wird im ganzen der Besitz der Tieferen sein.
Wie etwa, wenn hundert Menschen in gleichem Tempo zusammen marschieren sollen,
dieses Tempo von demjenigen angegeben wird, dessen Marschfähigkeit die geringste ist.”

- Georg Simmel




Physische und gesellschaftliche Gewalt sind beide ebenso Teil des Lebens des Vampirs, wie sie Teil des Live-Rollenspiels der Vampire der C:SN sind.
Während aber der physische Teil der Konflikte in den Regelbüchern weitestgehend geregelt ist – zumindest dahingehend, dass fest steht, wann ein Vampir gefälligst tot umzufallen hat – ist die gesellschaftliche Gewalt weitaus schwerer zu regulieren.

Eigentlich überrascht das. Wenn die Regeln so gestaltet sind, dass selbst Flüge durch die Luft, Beschwörungen namenloser Schrecken und Hiebe mit den Klauen von Bestien vorstell- und spielbar werden, was kann dann so schwer daran sein, das gesellschaftliche Spiel zu regeln?
Im Kern beruht das Übel eben darauf, dass beim Live-Rollenspiel für jeden erkennbar die Notwendigkeit besteht, Kämpfe und Kräfte in Regeln abzufassen, unterdessen man (fälschlicherweise) glaubt, das Gesellschaftsspiel geschehe eben "einfach inplay" und benötige keinerlei Erklärung und Regeln.

Nun, die eher niederschmetternden Erfahrungen mancher Domänen scheinen etwas anderes anzudeuten.
Gemeint ist damit nicht, dass die Spieler besagter Domänen zu doof für Gesellschaftsspiel wären, sondern dass es im Guten wie im Bösen gewisse "Konventionen" geben muss, nach denen das gesellschaftliche Spiel funktioniert.

Hierzu haben wir, die SLs der Chronik: Sanguis Novus mit dem vorliegenden Handbuch eine Lösung zu finden versucht.
Ein weiteres Buch gezielt nur für die Harpyien wird die "Regeln hinter dem Status" behandeln und den Harpyien der C:SN (endlich!) gestatten, Brüche der gesellschaftlichen Konventionen gezielt und spürbar zu ahnden.

Zwar sagt man schon jetzt gemeinhin, dass unter Vampiren ein wohl platziertes Wort ebenso tödlich wie ein Schwerthieb sein kann – mit den neuen Regeln zum Gesellschaftsspiel möchten wir diesem eher theoretischen, romantisch verklärten Gedanken Rechnung tragen und das Prinzip "gesellschaftlicher Gewalt" forcieren, da diese ein integraler Bestandteil der Camarilla ist.

Wie man sehen wird. ;-)



Teil I:
Status – was ist das?


"Entfernung von Natur; Gleichgültigkeit gegen die ersten und süßesten Bande der Menschheit; Verspottung der Einfalt, Unschuld, Reinigkeit und der heiligsten Gefühle; Flachheit; Vertilgung, Abschleifung jeder charakteristischen Eigenheit und Originalität; Mangel an gründlichen, wahrhaftig nützlichen Kenntnissen; an deren Stelle hingegen Unverschämtheit, Persiflage, Impertinenz, Geschwätzigkeit, Inkonsequenz, Nachlallen; Kälte gegen alles, was gut, edel und groß ist; Üppigkeit, Unmäßigkeit, Unkeuschheit, Weichlichkeit, Ziererei, Wankelmut, Leichtsinn; abgeschmackter Hochmut; Flitterpracht als Maske der Bettelei; schlechte Hauswirtschaft; Rang- und Titelsucht; Vorurteile aller Art; Abhängigkeit von den Blicken der Despoten und Mäzenaten; sklavisches Kriechen, um etwas zu erringen; Schmeichelei gegen den, dessen Hilfe man bedarf, aber Vernachlässigung auch des Würdigsten, der nicht helfen kann; Aufopferung auch des Heiligsten, um seinen Zweck zu erlangen; Falschheit, Untreue, Verstellung, Eidbrüchigkeit, Klatscherei, Kabale; Schadenfreude, Lästerung, Anekdotenjagd; lächerliche Manieren, Gebräuche und Gewohnheiten - das sind zum Teil die herrlichen Dinge, welche unsre Männer und Weiber, unsre Söhne und Töchter von dem liebenswürdigen Hofgesindel lernen.”

- Freiherr von Knigge




Ich werde mir hier schenken, all die Argumente zu nennen, warum Status in der Camarilla so groß geschrieben wird. Dass Ahnen aus anderen Zeiten kommen, dass Ancillae jahrhunderte lang an ihrer Macht gearbeitet haben und das System erhalten wollen, all das könnt ihr im Grundregelwerk oder im Ancilla-Handbuch nachlesen (Letzteres natürlich nur die Ancillae) bzw. ihr wisst es schon längst.

Worum es hier geht, ist die "ganz alltägliche Anwendung" von Status. Der Grund, warum man – warum JEDER – ein Interesse haben sollte, Status zu horten und in der Hackordnung so weit wie möglich nach oben zu gelangen.

"Status" ist das Maß des Standes
jedes Kainiten in der Camarilla

So weit, so gut.

Status beschreibt
den Grad des Respektes,
der dem betreffenden Kainiten zusteht

Auch das ist noch gerade so bekannt und äußert sich in aller Regel durch in den Domänen gelebte Etikette-Regeln, wer sich wem vorzustellen und wie weit man sich dabei mit Verbeugungen zum Löffel machen muss.

Aber Status bedeutet noch viel mehr:

Status beschreibt den Grad der
GLAUBWÜRDIGKEIT jedes Kainiten
der Camarilla!

Es geht beim Status eben nicht nur darum, wer wem gegenüber wie tief den Kopf zu senken hat – das sind nur die "Symptome" des Status.
Im Kern geht es um ein sehr zentrales Problem der Vampire, und ein ganz alltägliches Problem jeder Vampire-LIVE-Runde: Wer hat bei Konflikten Recht?

Vampire – zumindest die Älteren – wissen, dass es so etwas wie einen wasserdichten Beweis niemals gibt.
Überlege mal, was es alles für Möglichkeiten gibt, ein Verbrechen unerkannt zu verüben oder zu verschleiern oder jemandem anzuheften.




Ein Beispiel:
Tom Toreador wird des Mordes
an Vince Ventrue angeklagt.
– Ein Drama in 1 Akt –

Bill Brujah: Ich habe Tom Toreador gesehen,
wie er den Mord beging!

Peer Prinz: Woher wissen wir, dass Bill Brujah
uns nicht anlügt?

Marie Malk: Warte mal, ich schau in Bills Aura.
Er lügt nicht!

Peer Prinz: Und woher wissen wir, dass du nicht
lügst?

Marie Malk: Na hör mal, ich lüge nie,
das kann ich gar nicht, das ist
mein Malkav Wahnsinn!
Unverschämtheit!

Peer Prinz: (seufz) Gut, nehmen wir an du
sagtest die Wahrheit. Wer sagt denn,
dass du Bills Lüge – so er denn
gelogen hat – erkennen kannst?
Vielleicht bist du nicht stark genug,
seine Lüge zu erkennen, vielleicht
lügt er auch einfach zu gut?

Bill Brujah: Hey, Arschloch. Gibt’s bei dir auch
die Theorie, dass ich die Wahrheit
sagen könnte?

Peer Prinz: Selbst wenn ich das annehmen
müsste – was ich im übrigen keines-
falls muss! – wäre das noch lange
kein Beweis. Immerhin könntest du
dich ja irren. Oder schlimmer gar:
du könntest getäuscht worden sein!

Nick Nossi: Warum seht ihr mich jetzt alle so an?
Immerhin haben auch Malkavs
Verdunkelung, und außerdem
könnte auch ein Tzimisce
durch Fleischformen ein Double
erschaffen haben!

Peer Prinz: Stimmt. Oder ein Ravnos hat die
ganze Szene aus Schimären
gewoben, unterdessen der Mord
woanders stattfand.

Gil Gangrel: Oder jemand hat Bill verhext, dass
dieser sich lediglich daran
ERINNERT, Tom Toreador gesehen
zu haben.
(Alle sehen Vince an)

Vince Ventrue: Ja, bitte?

Tim Tremere Ist doch auch egal. Tom muss
brennen. Hier habe ich ein
Foto das den Mord zeigt.

Bill Brujah: Könnte eine Montage sein.

Tim Tremere: Was soll das, hab ich dich nicht
beza... ähm, interessant. Aber es
ist keine Fälschung!

Nick Nossi: Dann kann das Foto immer noch
magisch erschaffen worden sein
(zwinker).

Tim Tremere: Warte du kleiner, mieser ...

Nick Nossi: Äääähm, oder es, JA, es zeigt ein
ein Tzimisce-Double, oder, ja,
sogar jemanden der Tom einfach nur
sehr ähnlich sieht, immerhin gibt’s
da so nen Flaw „Doppelgänger“

Peer Prinz: Einen was gibt es?

Nick Nossi: Ähm, nichts. Ich mein ja nur.

Tim Tremere: Ist doch auch unerheblich was das
Foto zeigt. Ich teste einfach mal
Toms Blut. (Schleck) AHAA! Ein-
deutig Lasombrablut! Er ist beim
Sabbat! Rübe runter!

Peer Prinz: Mooment! Erstens wer sagt uns, dass
du überhaupt so etwas feststellen
kannst, und zweitens wer sagt uns
dass DU uns die Wahrheit sagst?

Tim Tremere Also erstens ist es in unserer Chronik
allgemein bekannt dass wir Tremere
sowas können, und zweitens
ist es ebenfalls bekannt dass wir
Tremere super loyal zur Camarilla
sind und nie zum eigenen Vorteil
lügen, immerhin fragt man uns bei
jedem Scheiß nach Bluttests, und
da lügen wir ja auch nicht, gell?

(Betretendes Schweigen
und Erbleichen)

Peer Prinz: Ähm. Ja. Also steht wie eigentlich
immer bei unseren Sitzungen Wort
gegen Wort. Und jetzt?


Das kurze Beispiel zeigt bei allem Humor sehr deutlich: Selbst unter Vorlage von Beweisen bleibt stets ein Restzweifel übrig. Im Regelfall beginnen alle Szenarien mit dem Satz "xyz sagt, dass ...", woraufhin der Angeklagte sagen würde "nein, das stimmt nicht."
Im Regelfall hat Tim Tremere auch kein Foto, und wenn doch, wäre das sehr verdächtig ;-)

Also was tun?
Die Camarilla ist sich völlig des Umstandes bewusst, dass es bei 95% aller Zwiste keine neutralen, fälschungssicheren Beweise gibt (insbesondere hat die Camarilla inplay niemanden da stehen, der als Spieler etwas Unpassendes sagt wie "Jetzt mal Offplay, ehrlich: Ich HABE ihn gesehen wie er den SC von Gustl abgestochen hat!").
Das Einzige, was in all diesen Fällen bleibt, ist zu fragen, welches Gewicht das Wort des jeweiligen Kainiten besitzt, wie GLAUBWÜRDIG er ist und wie GEFÄHRLICH es ist, ihn zu verurteilen.

Wäre Tom Toreador Neonate und Bill Brujah Ancilla, würde dessen Wort alleine möglicherweise schon genügen, Tom Toreador zu überführen – "in Wahrheit" schuldig oder nicht! – und sogar zu vernichten!
Wäre Tom Toreador Ancilla und die anderen Kainiten alle Neonaten, würde vermutlich erst gar keiner den Mund aufmachen, und wer zuerst zu sprechen beginnt ist schön doof dran, wenn er der einzige bleibt der eine Aussage macht.
Erst das kombinierte "Wort-Gewicht" mehrerer Kainiten kann hier den höheren Stand eines Kainiten ausgleichen.

In allen Fällen, wo es Streit zwischen
zwei Parteien ohne echten Beweise
von Schuld oder Unschuld gibt, ist Status
und die Frage, wer mehr davon hat, der
ALLEINIGE entscheidende Faktor!

Wohl gemerkt: Es ist nicht entscheidend wer beliebter ist oder netter oder offplay mit der SL befreundet oder besser angezogen, sondern wer einzeln oder in Kombination mit seinen Fürsprechern mehr Status hat.
Status – ob live erspielt oder mit dem Hintergrund oder der Rolle "gekauft" – ist inplay nicht vom Himmel gefallen, sondern von einer Vielzahl von Patronagen, von Ahnen, Erzeugern, Harpyien, Prinzen und Seneschallen geschaffen worden.
Derjenige, der einen Kainiten verurteilt und zu Fall bringt, sagt all diesen Leuten, dass sie sich geirrt haben oder sich haben täuschen lassen – keine Sache, die man leichten Herzens durchführt, wenn man umgekehrt nur sagen muss dass der anklagende Neonate einfach Unrecht hat (wen schert's, was der Pöbel denkt?).

Betreffs des Themas Vampire und
Verbrechen bleibt festzuhalten:

Die Disziplinen des Kampfes erlauben dem coolen toughen Charakter, ein Verbrechen an körperlich schwächeren Charakteren zu begehen.

Die Disziplinen des Geistes erlauben anderen coolen toughen Charakteren, ihre Spuren zu verschleiern oder umgekehrt dem Verbrecher auf die Schliche zu kommen.

Aber der Status alleine entscheidet,
ob all dies überhaupt eine Rolle spielt!


Teil II:
Konventionen der Kriegsführung


"Wer nicht, seiner Lage nach, schlechterdings dazu verdammt ist, an Höfen oder sonst in der großen Welt zu leben, der bleibe fern von diesem Schauplatze des glänzenden Elends, bleibe fern vom Getümmel, das Geist und Herz betäubt, verstimmt und zugrunde richtet..”

- Freiherr von Knigge

Darf man Kainiten angreifen wegen Schreibfehlern, die ihre Spieler gemacht haben?
Ein heikles Thema. Auf der einen Seite gilt, nach LARP-Grundsatz, dass ein Fehler im Schreiben dem Kainiten eigentlich genauso passiert ist wie dem Spieler, genau wie der Kainit ebenso Stuss geredet hat, wenn dessen Schauspieler Stuss redet.
Auf der anderen Seite ist es offplay nicht sehr "nett", einen Spieler wegen seiner Rechtschreibschwäche alle zu machen, ebenso wie man sich Inplay-Lästereien über inplay (ebenso wie offplay) kleine, große, dicke, dürre, hässliche, kurzsichtige, schüchterne oder übelriechende Spieler/Charaktere tunlichst schenken sollte.
Hier zeigt sich eine tiefe Diskrepanz, mit der gerade "un-nette" Charaktere des gesellschaftlichen Lebens ständig konfrontiert sind:
Inplay sollen ihre Charaktere als hassenswerte Antagonisten bösartig, hämisch, verleumderisch, missgünstig und lästernd sein, offplay möchte man eigentlich Spiel-Spaß bereiten und gemocht werden. Ein ganz schöner Spagat, für den es leider kein Patentrezept gibt.
Was in jedem Fall anzuraten ist: Wenn ihr einen Charakter wegen eines Makels angreift – sei es dass dieser in Rechtschreibfehlern, Etikettepatzern oder reinen Äußerlichkeiten wie einem echt verbotenen Aufzug besteht – geht auf den Spieler zu (am Besten vorher, ansonsten in jedem Fall nachher) und fragt nach, ob das Verhalten deines Charakters für ihn OFFPLAY okay war, ob er damit klarkommt oder ob man derlei Entgleisungen des Charakters zukünftig gnädig übersehen soll. Einige Spieler stehen drauf, sich mit Harpyien und anderen Gesellschaftsgrößen zu messen und halten deren Zögern für Inplay-Schwäche (oder sogar Offplay-Inkompetenz!), andere ziehen sich bei kleinster Kritik sofort völlig verschreckt zurück – hier ist es deine Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen, und das schaffst du nur durch Dialog mit dem "Opfer".
Wenn du mit einem Latexschwert jemandem versehentlich die Brille vom Kopf schlägst, brichst du ab, entschuldigst dich, erkundigst dich ob alles okay ist und hilfst suchen – im gesellschaftlichen Bereich tust du nichts anderes.

Dabei haben Brujah und andere hirnlose Prügler ... ähm, ich meine natürlich "physisch aggressive Charaktere" zwei sehr zentrale Vorzüge gegenüber eher gesellschaftlich veranlagten Charakteren:

(a) Die Schläge, die sie austeilen, sind ganz klar als reine Inplay-Schläge erkennbar,
(b) das Regelsystem gibt klare Anweisungen, wann das Opfer der Schläge zu Boden zu gehen hat.

Die Harpyie oder der hiesige Ventrue-Neugeborene besitzt keinen dieser Vorzüge. Ein Schlag mit Latex-Pömpfe tut kaum weh, und selbst wenn er echt zu hart geführt wurde bleibt ein blauer Fleck, der ausheilt, vergeben und vergessen ist.
Der Inplay-Angriff auf die Schwäche des Gegenübers und die "fiese Vorteilnahme" durch das persönliche Rethorik-Talent, die größere Selbstsicherheit bzw. Arroganz bzw. Immunität gegen Beleidigungen im Spiel und das persönliche Charisma wird demgegenüber nur zu leicht als Angriff auf die Schwäche des Darstellers wahrgenommen und kann erheblich zu Frust, Streit und sogar Ausstieg des Spielers führen.
Umgekehrt "schützt" das Vampire-Regelsystem in seiner Grundform die gesellschaftlichen Charaktere nicht: Diese können austeilen wie sie mögen, es gibt keine Instanz die sagt "So, nach diesem Angriff ist der Ancilla aber gesellschaftlich unten durch". Die Physischen brauchen nichts um sich stark zu fühlen als das Regelwerk. Sie können auch "ganz alleine tough sein". Die Gesellschaftlichen brauchen den Goodwill der Opfer und/oder die Unterstützung aller Charaktere. Sie sind im wahrsten Sinne auf "die Gesellschaft" angewiesen.
Natürlich kann man sich Respekt der Gesellschaft inplay wie offplay erspielen. Aber toughe Chars sind von der ersten Nacht an tough – durch Werte, die sie sich offplay einfach gegeben haben, die sie sich aber inplay in Jahrhunderten antrainiert haben – unterdessen von Harpyien & Co. erwartet wird, sich erst Schritt für Schritt selbst ihren Rrespekt anzuspielen.
Die Folge: eine Verzerrung des Spiels zugunsten von Gewaltlösungen und Powerchars mit fetten Diszis.
Diese Verzerrung versuchen wir nun zu korrigieren.
Teil III:
Status-Regeln


"Es wurde in diesen Untersuchungen oft hervorgehoben, dass das Gesamtniveau
einer Gruppe sehr nahe am Niveau des Tiefststehenden in ihr liegt; denn es kann
in der Regel der Hohe zum Niederen hinuntersteigen, aber nicht der Niedere zum Hohen
hinauf; was ihnen also gemeinsam sein soll, wird im ganzen der Besitz der Tieferen sein.
Wie etwa, wenn hundert Menschen in gleichem Tempo zusammen marschieren sollen,
dieses Tempo von demjenigen angegeben wird, dessen Marschfähigkeit die geringste ist.”

- Georg Simmel

Ich weiß nicht, wieviel ihr von Status und Etikette, von Benimm und Gesellschaft versteht, aber vermutlich ist es weniger, als euer Vampircharakter weiß.
Wenn ihr 10 Jahre Vampire Live spielt – was natürlich bedeuten würde, dass ihr einen totalen Knall habt – würdet ihr nach diesen 10 Jahren Spiel ein ungeheures, praktisches Wissen über das Gesellschaftssystem der Vampire haben, würdet in der Lage sein, feinen Wortwitz zu verstehen, würdet Sarkasmus auch dann erkennen, wenn er euch nicht direkt ins Gesicht hopst und wüsstet auf jeden Fall euch höflich zu benehmen, wenn es drauf ankommt.
Nun, für euren Vampir kommt es jede Nacht darauf an, und sofern dieser nicht sehr viel bescheuerter als du als Spieler ist wird er in kürzester Zeit ebenfalls all das gelernt haben, was du in 10 Jahren C:SN lernen wirst, und das weitaus genauer als du es jemals lernen kannst, da sein Leben von diesen Fertigkeiten abhängt.
Das ganz praktische Problem besteht darin, dass du, eigentlich: dass diese ganze C:SN Vampirgesellschaft um zu funktionieren dringend auf eine ansehnliche Zahl an versierten Gesellschaftsspezialisten angewiesen ist, damit das Status-Spiel überhaupt funktioniert.

Wir sind aber nicht die ganze Woche lang Vampir, sondern bestenfalls am Wochenende, und das in vielen Domänen der C:SN sogar nur 1x im Monat.
Es ist schlicht dumm anzunehmen, wir könnten in dieser mageren Vampir-Daseinsfrequenz jene gesellschaftliche Subtilität und WAHRNEHMUNG von Subtilität erlangen, die unsere Charaktere besitzen – es sei denn, wir sind auch anderweitig mit dieser Materie beschäftigt oder sehr talentiert.
Kommen Vampire zusammen, sieht das geübte Auge direkt die komplexen Hierarchien, die sich aus dem Status ergeben, und natürlich sorgen nicht nur die Harpyien, sondern vor allem die Gesellschaft als solche dafür, dass diese Hierarchien auch bestehen bleiben und beachtet werden.

Um uns hier im VAMPIRE LIVE das (Un-)Leben etwas leichter zu machen, haben wir verschiedene Statusstufen unterhalb der „Großen 4“ (Kind–Neonate–Ancilla–Ahn) geschaffen, die uns die Orientierung erleichtern sollen und zugleich die Basis für ein punktegesteuertes, feineres Status-Regelsystem bilden sollen.
Diese Sub-Stufen werden „Respekt“ genannt und sind wie folgt zu verstehen:

Jeder Vampir hat innerhalb der Gemeinschaft der Charaktere der C:SN einen bestimmten Grad an Respekt, den er anderen einflößt und der in regionalen oder überregionalen Medien wie z.B. dem neuen C:SN Harpyienbrief oder z.B. der lokalen Berliner "Ränge & Ränke Liste" publiziert wird.
Jeder Respektstufe ist dabei eine bestimmte Floskel zugewiesen, die z.B. bei der gegenseitigen Vorstellung durch die Harpyie genannt und durch diese auch beeinflusst werden kann.
Diese Floskeln sind wie folgt:

Respekt-Stufenleiter
5 – hochverehrt
4 – verehrt / geehrt
3 – beachtet / kennenswert
2 – anerkannt (bleibt i.d.R. unerwähnt)
1 – zweifelhafter Ruf (und Schlimmeres)
{0 – ehrlos, Sonderstatus für Schuld-Ignorierer}

Der „Start-Respekt“ jedes neuen Charakters ist 2, anerkannt (SC beginnen also das Spiel für gewöhnlich als anerkannnte Neonaten, was man auch mit „unbeschriebenes Blatt, aber oredentlich in die Gesellschaft eingeführt“ umschreiben könnte).

Die einfache Begrifflichkeit des Respektes macht es möglich, mit wenigen Worten t.B. bei einem überregionalen Hoftreffen fremde Kainiten so vorzustellen, dass diese entsprechend ihres Rrespektes „zu Hause“ behandelt werden.
Auch können Harpyien jederzeit aus ihrer Harpyienliste eine Liste des Respektstandes aller oder zumindest aller nennenswerten C:SN-Charaktere abrufen, die sie sich prima auf einen Schreibblock legen können, den sie bei Hodtreffen und Bällen mit sich herumtragen, um den gesellscvhaftlichen Überblick zu behalten.Eine Riesenhilfe!!!

Der oder die Harpyien können auch über ein bestimmtes Punktesystem, das hier nicht erläutert zu werden braucht und den Harpyien-Darstellern über die C:SN-Harpyienliste bekannt gemacht wird, Einfluss auf den Respekt eines jeden Kainiten nehmen (!!!).
Gerät ein Kainit dabei an den oberen oder den unteren "Rand" seines Standes als Neonate oder sogar Ancilla, droht er also zu stürzen oder im Gegenteil aufzusteigen, so werden die Harpyien diesen Umstand weithin hörbar machen (im Guten wie vor allem im Bösen!) und damit möglicherweise einen Ahnen des Clanes auf den Plan rufen, auf dass dieser die entsprechenden Maßnahmen einleitet (im Bösen: Verwarnungen, Rügen oder gar Statusreduzierung, im Guten: Empfehlung zum Statusanstieg oder Durchführung desselben).

Wichtig ist, dass Statusveränderungen in aller Regel NUR DANN geschehen, wenn Harpyien dies ZUVOR gutgeheißen haben. Natürlich "kann" ein Prinz technisch gesehen einen Neonaten "zweifelhaften Rufes" zum Ancilla machen, doch dann werden die Harpyien sich auf ihn stürzen, und es mag gut sein, dass der Prinz – besonders wenn er ein Ancilla und kein Ahn ist – sehr bald selbst einen "zweifelhaften Ruf" inne hat und die Harpyien nach jemandem rufen, der die arme Domäne von diesem lachhaften Faun erlöst.


Die Stufen im einzelnen:
Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die Stufen vor allem zwischen Kainiten desselben Standes gelten. Ein Ancilla zweifelhaften Rufes ist immer noch Ancilla, mögen auch die Harpyien dem hochverehrten Neonaten gegenwärtig mehr gewogen sein.
Gerade am "Übergangsbereich" 0/1 und 5 verschwimmmt der Statusbereich etwas, und so kann man sagen dass der aktuelle Status des Kainiten ihn zwar NOCH schützt, dass die Harpyien aber einem hochverehrten Aufsteiger durchaus Etikette-Schnitzer gegen gestrauchelte Absteiger eines höheren Standes verzeihen, ja, dass sie diese vielleicht sogar als Beweis seiner "wahren, höheren Größe" beklatschen.
Ein Hochverehrter kann sich der Aufmerksamkeit der Harpyien und der Kainiten des nächsthöheren Status sicher sein. Er steht an der Schwelle zum Aufstieg in einen neuen Stand, womöglich weit vor seinem Alter, und alle Augen sind auf ihn gerichtet – über den Harpyienbrief und das Elysiumsgeflüster vielleicht weit über die Grenzen seiner Domäne hinaus. Steigt ein Hochverehrter schließlich auf in einen neuen Stand, so beginnt er diesen zwar auf Stufe 1, wobei diese aber als "Frischernannter" oder schlicht "Junger" und nicht als „Zweifelhafter Ruf“ bezeichnet wird. Ein Aufstieg in einen neuen Stand hat immer Einfluss auch auf das Machtgefüge der Domäne, und so mag es gut sein, dass der "Hochverehrte" sich mit zahlreichen Intrigen konfrontiert sieht, gegen die er sich behaupten muss, um sich des in greifbare Nähe gerückten Standes als würdig zu erweisen.
Der Verehrte gilt nicht zuletzt aufgrund der "Belastungen" eines Hochverehrten als quasi DER angestrebte Respekt-Stand schlechthin. Wer sich als verehrter Neonate oder Ancilla behaupten kann, gehört zu den festen Größen der Domäne, und Stabilität zählt hier oft mehr als kurzfristiger Ruhm. Nicht zuletzt gilt es schon fast als gesellschaftliche Pflicht, als Standesgleicher (Neonate oder Ancilla) einem Verehrten beizustehen oder seiner Einladung zu folgen. Einem verehrten Mitglied der Gesellschaft die Unterstützung zu entsagen oder diesen sogar zu verhöhnen, könnte und WIRD von den Harpyien als sehr unschicklich empfunden und schlimm geahndet werden!
Der Beachtete ist genau das: Er hat sich aus der grauen Masse seiner anerkannten Standesgleichen hervorgetan und die positive Aufmerksamkeit der Harpyien erregt. Wer beachtet ist, für den beginnt man sich zumindest schonmal zu interessieren, was insbesondere auf die Standeshöheren zutrifft. Häufig ergeben sich im Stande des Beachteten wertvolle, erste Verbindungen zu Ranghöheren, die es sonst nicht wagen würden, unbekannten Größen oder gar Leuten zweifelhaften Rufes die Hand zu reichen. Üblicherweise muss man als Neonate mindestens beachtenswert sein, um von einer Harpyie oder dem Gastgeber einem Höherrangigen vorgestellt zu werden. Mit dem Aufstieg des Respektes folgt natürlich auch die Pflicht, mehr auf die gesellschaftlichen Regeln Rücksicht zu nehmen und die Gunst der Harpyien mit ebensolchem Respekt vor deren anderen Urteilen zu bedanken.
Der Anerkannte ist in seinem Stand anerkannt und bestätigt, aber eben nicht mehr. "Anerkannt" ist der Start-Rang jedes neu ins Spiel kommenden Charakters. Anerkannte sind die "Unsichtbaren" des Spiels, die von den Harpyien für gewöhnlich nicht bemerkt werden, es sei denn sie ziehen von alleine die Aufmerksamkeit auf sich – im Guten, oder eben im Bösen. "Nur" anerkannte Neonaten werden üblicherweise auswärtigen Gästen oder Höherrangigen nicht durch Harpyien oder Gastgeber vorgestellt, da sie zu unwichtig sind und das prima selbst tun können. Es ist übrigens durchaus üblich, einstmals Beachtete, die wieder auf den Stand des Anerkannten zurückfallen, mit deutlich weniger freundlichen Titeln zu bedenken wie "der Gestrauchelte" oder "der einst beachtete, nun immerhin noch(!) anerkannte Neonate xyz".
Der Neonate oder Ancilla zweifelhaften Rufes hat eine Sache mit dem Hochverehrten gemein: Ihm gehört die ganze Aufmerksamkeit der Harpyien, seiner Domäne, seines Clanes und möglicherweise vieler weiterer Kainiten Deutschlands. Als Mitglieder einer Gesellschaft, in der Aufstieg nur möglich ist, indem an der Spitze "Platz gemacht" wird, versucht JEDER, einen Kainiten zweifelhaften Rufes nach unten zu treten und unten zu halten. Der Begriff "Zweifelhafter Ruf" ist dabei nur der erste, noch eher nette Titel. Sorgt dieser Begriff nicht schon dafür, dass über den Stand des Kainiten nachgedacht wird, werden bald beliebige weitere, zu den "Vergehen" des Kainiten passende Begriffe gefunden. Beispiele hierfür sind der "Geduldete", der "Unglückliche", der "Verpönte" oder sogar der "Geächtete" oder gar der "Auswürfige", was in der Tat nur noch ein hauchdünner Schritt vor dem Fall in die Clanslosigkeit ist.
Der Ehrlose hat mehr getan als nur Konventionen der Höflichkeit verletzt: Er hat eine Schuld nicht beglichen, und gilt zumindest was seine Glaubwürdigkeit angeht als Aussätziger der Gesellschaft. Sein Ehrenwort ist nichts wert, seine Meinung ebenso, und er kann nur hoffen durch langes, ehrvolles Verhalten das Vertrauen der Gesellschaft zurückzuerlangen – oder der Camarilla den Rücken zu kehren und unter den Autarki ein neues Leben anzufangen.


Regeln zum Umgang
Diese „Regeln“ mögen nicht als Tipps zur Etikette, sondern echte „4-schwer-du-bist-tot-Regeln“ verstanden werden. Immerhin ist Ziel dieses ganzen Handbuches, der Gesellschaft der Camarilla in der C:SN mehr „Punch“ zu verleihen, auf dass Toreador und Ventrue endlich begreifen, wozu sie gut ... ähm, auf dass Brujah und Gangrel das nächste Mal ebenso vor den Kräften der gesellschaftlichen Charaktere zurückschrecken wie umgekehrt.
Respektgleiche könnnen ganz nach Belieben miteinander umgehen. Dies wird in der Regel niemanden sonderlich interessieren. Das gilt für die Beziehungen zwischen zwei hochverehrten Ancillae genauso wie zwischen zwei Neonaten zweifelhaften Rufes.
Gegenüber geringfügig Respekthöheren (1 Stufe) wird erwartet, diesen tatsächlich mit Respekt zu begegnen. Während dies noch keine aktiven Schritte wie Stühle zurechtrücken oder ähnliches umfasst, umfasst dies aber sehr wohl der Verzicht auf schlechtes Betragen wie Beleidigungen, ins Wort fallen oder dergleichen.
Gegenüber deutlich Respekthöheren (2 Stufen) wird mehr erwartet, als nur Unverschämtheiten zu unterlassen. Deutlich Respekthöheren sollte man ungefragt Platz machen, ihnen den eigenen Sitzplatz anbieten (und es zu Recht als Zeichen der Gunst sehen, wenn dieses Angebot angenommen wird), den Mantel reichen und dergleichen mehr – nichts, was einen umbringt, aber eben deutlich wahrnehmbare Zeichen von Respekt.
Dazu gehört auch, einer Einladung eines deutlich Respekthöheren Folge zu leisten oder sich schriftlich mit Begründung zu entschuldigen, sollte es einem unmöglich sein zu erscheinen.
Auch gehört dazu, dem deutlich Respekthöheren „beizustehen“, z.B. gegenüber Rüpeln und Etikette-Legastenikern, und dem Respekthöheren nicht offen zu widersprechen: Entweder man schließt sich lautstark der Meinung des Respekthöheren an, oder man schweigt. Oder man bittet vorsichtig, frei sprechen zu dürfen (und akzeptiert ein „nein“!)
Gegenüber beachtlich Respekthöheren (3+ Stufen) wird das Gleiche wie in der Vorstufe erwartet. Darüber hinaus erwartet man, derart Respekthöhere nicht belästigt zu sehen: Respektniederer und Respekthöherer sind so weit voneinander entfernt, dass dies fast schon einem „Standesunterschied“ gleichkommt. Natürlich dürfen derart Respekthöhere nicht einfach so angesprochen werden, vielmehr möge man sich nähern, bemerkbar machen und warten, dass man angesprochen wird.

Respektunterschiede schaffen für höhere aber nicht nur Privilegien, sondern auch Verpflichtungen.

Gegenüber geringfügig Respektniederen (1 Stufe) ist ein normaler, freundlicher und enger Umgang absolut tolerabel.
Gegenüber deutlich Respektniederen (2 Stufen) erwartet man aber vom Respekthöheren, eine gewisse förmliche Distanz zu wahren. Schließlich orientiert man sich nach oben, nicht Richtung Bodensatz, und die Eignung zum Aufstieg in höhere Sphären wird durchaus auch an der Befähigung festgemacht, alte Freunde hinter sich zu lassen, wenn diese nunmal nicht das Zeug zu Höherem haben.
Der Umgang mit beachtlich Respektniederen (3+ Stufen) ist gesellschaftlich verpönt! Wer mit derart nahezu standesniederem Pöbel zu engen Umgang pflegt, erweist dadurch, seines hohen Respektes vielleicht doch nicht würdig zu sein. Weh dem, der von einer Harpyie mit Freundschaftsbanden oder Liebeleien zu einer oder einem „Gewöhnlichen“ erwischt wird!

Der Kainit zweifelhaften Rufes und noch mehr der Ehrlose hat hier über alle Respektunterrschiede eine Sonderrolle: Wer sich offen zu einer solchen Kreatur stellt, riskiert IMMER den Zorn der Harpyien und den Spott der Gesellschaft, auch wenn man selbst nur „anerkannt“ ist, also gerade mal 1 Respektstufe höher steht. Dies verschärft sich natürlich deutlich, je größer der Unterschied ist.
Ein hochverehrter Neonate, der einen Neonaten zweifelhaften Rufes zu seinem Fest einlädt, ist die längste Zeit hochverehrt gewesen! Jemand, der offen bereit ist dem Wort eines Ehrlosen zu glauben, macht sich selbst der Anrüchigkeit verdächtig.


Steigen und Fallen
Im allgemeinen findet ein Aufstieg oder Fall nicht von heute auf morgen statt. Keine Harpyie möchte wegen einer einzigen guten Einladung riskieren, etwas Löbliches über einen Kainiten zu äußern, der dann nächste Woche der hochverehrten Ancilla seines Clanes aufs Kleid spuckt.
Die Harpyien führen durch die Summe ihrer Äußerungen ein genaues "Konto" aus Plus- und Minuspunkten auf der C:SN-Harpyienliste, dass, wenn es bestimmte Schwellenwerte erreicht, dann in eine neue Respektstufe führt.
Dabei ziehen es Harpyien IMMER vor, Lob vorsichtig und zurückhaltend zu geben (immerhin wird die Harpyie durch ihr Lob mit dem Belobten "assoziiert", und zukünftige Peinlichkeiten dieses Belobten fallen ggf. auf sie zurück) und – WICHTIGER – jedes Fehlverhalten dafür erbarmungslos öffentlich breit zu treten.
Im Allgemeinen folgen die Leitlinien der Harpyien generellen Regeln, die eigentlich selbstverständlich sind. So werden erfolgreiche (= gut besuchte) Einladungen, ein kühnes, aber nicht dispektierliches Vorgehen, gute Umgangsformen und natürlich ein Achten und Schmeicheln der Harpyien positiv aufgenommen, unterdessen das Bezweifeln des Harpyienstandes, das Ignorieren der Harpyienurteile (z.B. durch Unterstützung für einen Standesgleichen zweifelhaften Rufes oder umgekehrt das Beleidigen eines hochverehrten Standesgleichen) oder auch übertriebene Gewalttätigkeit und Kulturlosigkeit negativ bewertet werden.
Natürlich geht jeder Clan anders mit den gefällten Urteilen der Harpyien um, und gerade unter jungen Brujah mag es als schick gelten, einen zweifelhaften Ruf zu besitzen – die Älteren des Clanes sehen dies aber äußerst ungerne, denn diese wissen, dass ungeachtete Kainiten in erheblicher Gefahr für Leib und Leben sind, zudem sie den ganzen Clan bei Verhandlungen und spätestens bei Konklaven, den höchsten Institutionen der Camarilla, zu schwächen drohen.


Proklamation von Respekt
Jede Änderung des Respektes durch die Harpyien muss öffentlich inplay verbreitet werden. Von jeder Harpyie wird erwartet, dass sie zu jeder Zeit das gefällte Urteil auch deutlich lebt, d.h. dass sie passend zu ihrem Votum auf der Harpyienliste den betreffenden Kainiten öffentlich stützt oder aber vor einer Versammlung von Kainiten zur Sau macht.
Sobald eine Respekt- oder mehr noch eine Standesänderung geschieht, wird in Zukunft via C:SN Newsliste ein HARPYIENBRIEF verschickt werden. In diesem fasst ein Harpyien-NSC der C:SN SLs die Entwicklungen den Kainiten betreffend inplay zusammen und assoziiert Harpyien mit dem gefällten Urteil, im Guten wie im Bösen.
Alleine deshalb sollte jede Harpyie peinlich darauf bedacht sein, ihre Meinung öffentlich zu vertreten und zu erklären und andere Kainiten (vor allem solche hohen Standes und hohen Respektes) von ihrer Ansicht zu überzeugen.


Respekt für Harpyien
Wer legt den Respektwert von Harpyien fest?
Die anderen Harpyien, was dachtest du?


Harpyie werden
Eine Harpyie kann nur jemand werden, der mindestens „verehrt“ ist. Harpyie wird man nicht, indem einen der Prinz dazu benennnt (das kann er tun, wenn er mag, es wird die „echten“ Harpyien aber nicht interessieren), sondern indem man von DEN Harpyien als solche akzeptiert wird. Hierzu braucht es in der Regel eine Harpyie, die die neue Harpyie unterstützt, vorstellt, einführt und empfiehlt.
Alternativ kann die SL eriner Domäne natürlich jemanden offplay zur Harpyie erklären oder einen betreffenden Charakter aufstellen (lassen). In diesen Fällen genießt die neue Harpyie die Gunst des Ahnen, welcher der Patron des Harpyien-Netzwerkes ist, muss sich aber gegenüber den etablierten Harpyien erst als würdig erweisen.


Weiterer Nutzen von höherem Respekt
{1} Befehlen: Der Respekttitel kann angesagt werden, um einer Drohung oder einer Aufforderung Nachdruck zu verleihen. Kainiten mit weniger Respekt als der Agierende sind gesellschaftlich verpflichtet, der Aufforderung nachzukommen oder sich durch die Drohung wirklich einschüchtern zu lassen, denn von ihnen wird erwartet, dass sie den von den Harpyien stärker Geschätzten auch entsprechend behandeln. Durch die laute Ansage des eigenen Respektstandes wird auch das „Missverständnis“ vermieden, dass der andere etwa „nicht gewusst habe“, mit wem er es zu tun hat. Er kann in diesem Fall nur nachgeben, oder öffentlich den Respekt verweigern, und das „wird Folgen haben“!
{2} Protektionieren: Man kann seinen Respekt dazu verwenden, Respektniedere zu schützen. Ist man keine Harpyie, macht man sich damit aber unbeliebt. Das System funktioniert in etwa so, dass jemand z.B. mit Respekt 5 (hochverehrt) sich vor jemanden mit Respekt 1 (zweifelhafter Ruf) stellt und sich deutlich und öffentlich für diesen ausspricht, auch gegen die Harpyien. Die Harpyien können das nicht einfach ignorieren, immerhin IST dieser Kerl ein Hochverehrter!, also wird ein Punkt Respekt von diesem auf den Respektniederen verschoben: Der Protektionierer ist „nur“ noch verehrt (4), der Neonate zweifelhaften Rufes ist wieder dank des Zuspruchs des Respekthöheren anerkannt (2). Diese Regel ist nur anwendbar, wenn zwischen Protektionierer und Protektioniertem mindestens 2 Stufen Respekt-Unterschied bestehen (ein Kainit zweifelhaften Rufes kann nur durch min. Beachtete protektioniert werden). Außerdem muss die Protektion in näherem zeitlichem Umfeld entweder zum Aufstieg des Höherrangigen oder dem Fall des Niederrangigen erfolgen (z.B. bei der Dankesrede des Beachteten Neonaten in Folge des Harpyienbriefes (so macht man sich Feinde!) oder als empörter Protest auf den Harpyienbrief, wo der zweifelhafte Ruf des Niederrangigen deklariert wurde.
{3} Duell der Blicke: Kainiten versuchen häufig, eine ernstere Konfrontation zu vermeiden, indem sie einander in die Augen blicken und ihre Willenskraft messen. Bei diesem Duell ist der jeweilige Erfolgspool = Willenskraft + Respekt. Ein höherer Stand (z.B. Neonate vs. Ancilla) zählt hierbei als zusätzliches +10 auf den Erfolgspool.
Beispiel: Ein anerkannter Neonate mit Willenskraft 5 hat einen Erfolgspool von 5 + 2 = 7. Ein verehrter Neonate mit Willenskraft 5 hat einen Pool von 5 + 4 = 9.
Das Duell der Blicke wird eröffnet, indem sich zwei Kainiten fest aus höchstens 1 m Entfernung in die Augen blicken und den Blickkontakt 5 Sekunden lang halten. Beide Kontrahenten flüstern sich dann ihren Erfolgspool zu – der Schwächere muss sich aktiv erkennbar abwenden, und zwar umso früher und umso deutlicher, je größer die Differenz beider Poole ist.
Der Verlierer eines Duells der Blicke muss in der Sache, um die es ging, wenigstens für den Moment nachgeben (ein des Ortes Verwiesener muss mindestens einmal aus dem Raum gehen, ein zur Aufgabe Aufgeforderter muss die Waffe fallenlassen etc.).
{4} Verhandlungen: Steht in einer Sache Wort gegen Wort, so ist natürlich dem Wort des Geachteteren der beiden Kontrahenten mehr zu glauben als dem Unbekannteren oder schlimmer noch dem bekanntermaßen Zwielichtigen!

Dies ist wie nicht oft genug gesagt werden kann der Grund, warum Respekt eine Frage auch des Überlebens ist:

Kainiten zweifelhaften Rufes, selbst wenn sie Ancillae sind, drohen bei Gerichtsverhandlungen nicht gehört oder ihr Wort gar als gegenstandslos erachtet zu werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Betreffende dafür bekannt ist, eine Ehrenschuld nicht beglichen oder einen erwiesenen Gefallen nicht zurückgezahlt zu haben – einem solchen Unehrenhaften kann nicht geglaubt werden! Es ist sehr leicht zu verstehen, wie dies auch zum Tode eines Charakters führen kann.

Willkommen in der Camarilla!

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