C:SN Die Camarilla - Ein Blick hinter die Maske #
Quelle: AAS, für die C:SN als Quellentext
Vorwort #
Die Menge des Wissens, die wir als Vampire Spieler über die Welt der Dunkelheit besitzen, ist riesig groß.
Unter dem „Wissen“, dass es tatsächlich ein Buch Nod gibt (weil White Wolf ein solches vertreibt) und White Wolf tatsächlich einen Kurs hin zu Gehenna zu verfolgen scheint, entlarven wir mit Leichtigkeit die Propaganda der Camarilla als Lügen und Trugbilder, und müssen uns eingestehen, dass es aus Sicht der Kainiten vermutlich am Besten wäre, zum Sabbbat zu gehen, um die Welt zu retten (schauder).
Es existiert im Vampire-Spiel eine unglaubliche Diskrepanz zwischen dem, was wir als Spieler und SLs wissen, und dem, was unsere Charaktere wissen.
Offplay wissen wir, welche anderen Disziplinen noch existieren, wie die Camarilla entstanden ist, wie schwach sie tatsächlich in manchen Regionen ist, wie die anderen Clane funktionieren, und dass tausend Gerüchte über die anderen Blute völliger Humbug sind.
Unsere Charaktere aber sind seit ihrer Erschaffung das perfekte Opfer einer ausgeklügelten, jahrhundertealten Maschinerie aus Gehirnwäsche und Propaganda geworden, der sich kein Charakter hat entziehen können.
Dieses File soll helfen, an das zu erinnern, was unser Charakter von der Welt der Dunkelheit „weiß“ und ganz natürlich als wahr annimmt.
Bedenke:
Dein Charakter hat keine Möglichkeit, es „besser zu wissen“. Dein Erschaffer ist nach dem Kuss alles für dich gewesen, hat dir ungeheure Kräfte beigebracht, von denen du nie gedacht hättest, dass sie existieren (noch, dass du sie selbst je wirst ausüben können) – warum solltest du ihm betreffs der Gestalt der Welt misstrauen?
Wir in der C:SN spielen nicht alles White-Wolf konform, und ganz gewiss wird sich bei uns Gehenna auch nie ereignen. Es kann also wahrhaftig sein, dass die hier niedergelegten „Wahrheiten der Camarilla“ tatsächlich auch offplay die Wahrheit unserer Welt der Dunkelheit darstellen. Und selbst wenn nicht: Wir spielen camarillafokussiert, also ist die von der Camarilla akzeptierte Wahrheit ohnehin faktisch die Wahrheit des Spiels!
Die Camarilla
Die Camarilla besitzt einen Alleinvertretungsanspruch in der Welt der Kainiten. Das bedeutet, dass die Camarilla als selbsterklärtes Führungsgremium festlegt, wie die ganze Gesellschaft aller Kainiten geordnet ist. Und das nicht ohne Grund: Die Camarilla hält auf der ganzenn Welt die Maskertade aufrecht. Keine andere Gruppierung von Kainiten hat einen festeren Griff auf die Welt der Sterblichen, und die Camarilla hat eine so strikt und stringent geordnete innere Struktur, dass sie wahrhaft „autark“ ist, das heißt völlig ohne auf „externe“ Vampire reagieren zu müssen existieren kann.
Die Camarilla ist ein in sich geschlossenes System, das Vampire außerhalb dieser Gemeinschaft nur verständnislos betrachten kann.
Das mag sich arrogant anhören (und ist es auch), aber wir Menschen der westlichen Industrienationen glauben ja immerhin auch, dass unsere Ethik, unsere Werte, unsere Gesellschaft „richtig“ und letztlich ohne Alternative ist, trotzdem Milliarden Menschen auf der Welt etwas anderes sagen.
Die Arroganz der Camarilla, sich als alleinig wahrhaftiges Gesellschaftssystem der Vampire zu betrachten, ist kein Hirngespinst. Zwar sind die Mehrheit aller Clane nicht Mitglied der Camarilla, aber nur die Clane der Camarilla arbeiten eng verflochten zusammmen, und haben damit mehr Macht als jeder einzelne der freien Clane, und auch als der Sabbat, der immerhin nur aus 2 Clanen und einigen Verrätern anderer Blute besteht.
Ein verhängnisvoller Übersetzungsfehler
Die Camarilla ist die Dachorganisation für das Handeln und Streben an sich völlig autarker Vampire.
Dieser Grundgedanke führte schon zur zentralen Wortschöpfung der Camarilla, die alle Mitglieder dieses Verbandes als Kindred, Blutsverwandte, bezeichnet.
Diese zentrale wichtige Bezeichnung ist in der deutschen Übersetzung fatalerweise zu „Kainit“ (und schlimmer: „Kainskind“) verfremdet worden, was umso dramatischer ist, da die Abstammung der Vampire von Kain reine Sabbatpropaganda ist!
Durch diesen Übersetzungsfehler wird der Camarilla faktisch das Fundament all ihres Denkens und Agierens entzogen, denn in der Tat verstehen sich die Mitglieder der Camarilla als entfernte Verwandte auf einem riesigen Familientreffen.
Es mag Fehden geben, Intrigen, Neid, Missgunst, aber alle werden doch durch ein tiefes, inneres Gefühl der Zusammengehörigkeit geeint – den Gedanken, dass jeder wegen seiner Verwandtschaft mit allen anderen so verantwortlich agieren wird, dass was immer geschieht „im Rahmen“ bleibt.
Innerhalb dieses „gewissen Rahmens“ mag jeder alles tun was er will, ohne irgendeiner höheren Institution darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Man kann sogar meistens recht straflos gegen andere vorgehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
Wird aber die Stabilität durch innere oder äußere Feinde bedroht, so stehen die meisten Blutsverwandten plötzlich sehr eng zusammen, um den Störenfried, der ihrer aller Existenz gefährdet, radikal auszumerzen.
Es empfiehlt sich darum, von der Verwendung der Begriffe „Kainit und „Kainskind“ Abstand zu nehmen und tatsächlich den Begriff zu verwenden, der letztlich die Essenz der Camarilla ausmacht:
Kindred – die Blutsverwandten.
Lektionen des Todes
Im Folgenden werden zu diversen Themen des kainitischen Lebens in aller Kürze die Statements abgegeben, die in der Camarilla – das heißt durch die Erschaffer an ihre Nachkommen – verbreitet werden.
Jeder sollte sich diese Statements vergegenwärtigen als das, was von der Camarilla – d.h. von Erschaffern, Ahnen, Bekannten, engen und weiteren Blutsverwandten – übereinstimmend nicht propagiert, sondern als Fakt festgestellt wird.
Jeder Charakter hat diese Lektionen gelernnt, und sie bilden das Fundament all dessen, was er glaubt, wie er denkt.
Wo kommen die Vampire her?
Es ist unbekannt woher die vampirische Spezies wirklich stammt. Wir wissen, dass die heutigen Clans wahrscheinlich von großen Anführern der ursprünglichen Stämme in der Periode der prähistorischen Menschheitsgeschichte stammen. Geschichten, der biblische Kain sei der Vater der Vampire, oder dass er Monster geschaffen habe, die sogenannten Vorsintflutlichen, die am Tage des jüngsten Gerichts auferstehen sollen, um ihre Kinder zu fressen, sind lächerliche Versatzstücke von Propaganda des Sabbat, mit der dessen Mitglieder ihre orgiastische Gewalt legitimieren wollen. Andere Lehren verbinden uns mit dem babylonischen Gilgamesh-Epos, sehen in uns Kinder Enkis, Dämonen oder Engel oder wollen unsere Anfänge aus der Weltschöpfungsgeschichte der alten Ägypter, Inder, Römer, Griechen oder Maya lesen. Wir wissen, dass unsere Art zu allen Zeiten versucht hat, sich selbst zu erklären oder sich in frühesten Zeiten gegenüber den Menschenn als Götter dargestellt hat. Dass irgendeine jener alten Schriften die Wahrheit enthält, ist somit unwahrscheinlich. Fragmente der Wahrheit, möglicherweise, doch niemals eine Antwort auf das Geheimnis unserer Existenz. Letztlich ist unsere Herkunft völlig unerheblich für die heutigen Problematiken – die Frage nach unserem Ursprung ist eine sinnlose Suche.
Wie betrachten wir die Sterblichen?
Die Menschen sind unsere Nahrung. Wie eine Herde Nutztiere müssen sie behütet und beschützt werden. Wir waren auch einst Menschen und orientieren uns zu großen Teilen immer noch an ihren Wertvorstellungen und Lebensgewohnheiten. Bedingt durch unsere Verwandlung, sind wir Ihnen jedoch eindeutig überlegen. Es obliegt uns, sie zu ihrem eigenen besten zu manipulieren, und hierfür dürfen wir mit gutem Recht von Zeit zu Zeit unseren Tribut in Blut fordern. Zeigt sich jedoch ein Vampir als Wolf, der respektlos und unachtsam die Herde reißt, so wird dieses Individuum entfernt werden.
Was ist der Sabbat?
Die Schwarze Hand ist eine Ansammlung degenerierter Kreaturen, die den Namen Blutsverwandter nicht verdienen. Absichtlich geben sie in widerwärtigen Riten ihre Menschlichkeit auf, um so im blindwütigem Rasen Ihrer Bestien zu vergehen, ohne Reue morden, schlachten, vergewaltigen und schreckliche Dinge tun zu können, die einem Blutsverwandten ekelhaft sind. Der Sabbat verbreitet, Blutseide brechen zu könnnen, um so willfährige Junge in die Klauen dieser sektiererischen Seelenfänger zu treiben. Der Sabbat gefährdet die Maskerade und vernichtet blindwütig Sterbliche wie Unsterbliche. Einen Sabbatianer zu vernichten ist nichts anderes, als einen tollwütigen Hund von seinem Elend zu erlösen.
Was sind die freien Clane?
Eine Anzahl der Blutsverwandten haben sich entschlossen, aus weltanschaulichen oder abstammungsbedingten Gründen nicht an der großen Gemeinschaft der Camarilla teilhaben zu wollen. Wir verstehen ihre sonderbaren Wege nicht, haben aber gelernt sie als Geschäftspartner zu achten. Sollten sie sich je entscheiden, doch noch zu uns zu stoßen, so wird die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten gewissenhaft geprüft werden.
Was sind die Anarchen?
Diese fehlgeleiteten Welpen haben kein Interesse daran, ihre eigenen Wünsche und Triebe zugunsten der Maskerade oder der Gemeinschaft der Blutsverwandten zurückzunehmen, und sind darum eine große Gefahr für uns alle. Eine freie Meinung bezüglich der Politik des Systems sei jedem erlaubt. Allzu oft brechen diese radikalen Elemente bei ihren Aktivitäten jedoch die Traditionen. Wer sich reumütig zeigt, wird jederzeit eine zweite Chance erhalten, sich innerhalb der Gesellschaft zu bewähren und zur Familie heimkehren zu können. Wer aber auf der Dauer der Gesellschaft schadet, wird nicht länger als Anverwandter betrachtet und vernichtet werden, ehe er andere mit ins Unglück reißt.
Gibt es außer uns andere Übernatürliche?
Es ist nur natürlich, dass in dieser Welt neben uns andere Entitäten existieren. Man hört ab und an von Schatten oder Spuken, auch von Werwölfen, die in den Tiefen der Wälder hausen, und von Menschen mit außergewöhnlichen Gaben. Ob aber all jene Berichte wahr sind weiß niemand – es mag gut sein, dass viele Sichtungen auf dem Beobachter unbekannte Kräfte anderer Blutsverwandter zurückgehen.
Was ist das Blutsband?
Der Blutseid ist eine finale erzieherische Maßnahme gegenüber solchen, die nicht durch andere Mittel zur Einsicht und zum Ablassen von Traditionsbrüchen gebracht werden können. Trinkt man drei mal das Blut eines anderen Vampirs, so ist man diesem in künstlich geschaffener Liebe verfallen. Nur die Alten unserer Art sollten diese Fessel gebrauchen, da allein sie über die Weisheit verfügen, mit dieser Macht richtig umzugehen. Dies sollte auch allen Vampiren eine Warnung sein, die den abartigen Brauch praktizieren, frei voneinander Blut zu trinken, allein um sexueller Ekstase zu frönen. Der Preis für ein paar Nächte der Lust ist hoch und währt ewig.
Was ist der Amaranth?
Die Diablerie ist das schlimmste aller Verbrechen. Nicht nur wird ein Unsterblicher dabei dem endgültigen Tod anheim geführt, nein, auch seine Seele, seine Individualität vergeht unter unvorstellbar höllischen Schmerzen in der Gier des Täters. Bedauerlicherweise existieren Gerüchte, man können durch das Trinken der Seele eines anderen Vampirs mächtiger an Kräften und im Blut werden. Viele Junge verfallen in diesen Nächten dieser eklatanten Lüge und geben sich dem Rausch des Kannibalismus hin. Sie sollten aber gewarnt sein. Das einzige, was auf dem Pfad der Diablerie wartet, ist der schleichende Wahnsinn. Ein Diablerist muss immer wieder das Blut anderer rauben und muss daher schnellstmöglich vernichtet werden.
Wie stehen wir zur Anwendung von Intrige
und Gewalt zur Erreichung unnserer Zielew?
Das Fortkommen des Qualifiziertesten ist ein wichtiger Grundsatz unserer Gesellschaft. Wer sich als nützlich erweist, seine Feinde abzuwehren zu versteht und bei all dem in Einklang mit den Regeln unserer Gesellschaft lebt, der hat es verdient, in Amt und Würden zu kommen und die Privilegien zu genießen, die sich daraus ergeben. Wer einmal zu dem kruden Mittel der Gewalt greifen muss, der sollte sich bewusst sein, dass er zwar kurzfristig Erfolg haben mag, aber über kurz oder lang die Ächtung der Gesellschaft erfahren wird. Wer nicht lernt, wohl dosiert mit seinen Mitteln zu haushalten, der wird über kurz oder lang die Traditionen brechen, vielleicht gar einen Blutsverwandten vernichten. Uns stehen ungleich subtilere Instrumente zur Verfügung, ein Stümper ist unseres Blutes nicht wert.
Was ist das Elysium?
Das Elysium ist heilig. In jeder Domäne gibt es mindestens einen solchen Ort des unantastbaren Friedens, der vom Prinzen ausgerufen wurde, damit sich auch verfeindete Fraktionen unserer Gesellschaft auf neutralem Boden der Debatte ergehen können und Blutsverwandte, die nur nach einem Ort der Ruhe und der Kultur suchen, einige Momente des wahren Friedens in diesen gesegneten Hallen erfahren können. Das Elysium ist so alt wie die vampirische Gesellschaft selbst. Auch wenn der Prinz es unter Umständen aufheben kann, so ist es unverletzlich. Wer den Frieden des Elysiums bricht, hat sein Leben im selben Augenblick verwirkt.
Zum Schluss
Die Camarilla redet häufig von den Traditionen und von dem schlimmen Verbrechen, diese zu verletzen.
Dies ist umso erstaunlicher, da die Traditionen in „Reinform“ sehr kurz und allgemein gehalten sind und es daher häufig eine Frage der Definition ist, ob ein Bruch der Tradition vorliegt oder nicht.
Die Wahrheit ist, dass tatsächlich fast jeder Blutsverwandte andauernd die Traditionen bricht, und dies auch im Prinzip jedem bewusst ist.
Was für die Blutsverwandten der Camarilla darum viel mehr zählt, ist den Schein zu bewahren und sich nicht erwischen zu lassen.
Die Camarilla fällt deshalb so gnadenlos über jeden offenkundigen Brecher einer Tradition her, da alle von der Angst geleitet sind, selber in Verdacht zu geraten, Fehler zu machen und Opfer einer Legislation zu werden, die in der Praxis kaum anwendbar ist.
Die Traditionen sind eine weitere Fassade von Lug und Trug im endlosen Verwirrspiel der Camarilla. Sie zu brechen und davonzukommen mit dem Einverständnis der restlichen Gesellschaft bedeutet den Besitz und die Ausübung wahrer Macht.
Kurz: Es ist das, was ein Prinz praktiziert. Er ist Herr der Traditionen, weil er es versteht, sie auf die richtige Art und Weise zu brechen.
Die hier aufgeführten Grundsteine der Camarillagesellschaft sind eine gute Basis, um das gesellschaftliche Spiel anzukurbeln und ihm Hand und Fuß zu geben.
Dieser Text wäre nicht möglich gewesen ohne die Vorarbeit vieler Harpyienspieler, Koordinatoren, Spielleiter und Spielführer, die im Laufe der Jahre Vorgänger dieses Werks zusammentrugen, aus denen Anregungen und manchmal auch Auszüge hier verwendet wurden (wie z.B. dieser Satz hier ;-) ).
Ich möchte mich bei allen Bedanken, die mit Gedanken, Anregungen oder auch Texten zu diesem kleinen Exkurs in die „Denke“ der Camarilla beigetragen haben.
AAS
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