Das Buch der Blumen: Clan Toreador #
Spielen eines Toreador-Charakters
Die Schöne bleibt sich selber selig,
die Anmut macht unwiderstehlich.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Die Toreador sind bekannt für ihre hedonistischen Tendenzen, wenngleich dieser Eindruck der wahrhaftigen Seele der Familie nicht gerecht wird. Toreador nehmen Schönheit in all ihren Nuancen – auch der Hässlichkeit und dem Abnormen – intensiver wahr als andere Vampire. Die Toreador besitzen die feinsten Sinne und – das ist das Entscheidende – die dazugehörige Geisteshaltung. Sie nutzen ihre Sinne nicht zum Jagen wie die Gangrel, nicht zum Spionieren wie die Nosferati, nicht zum Erkennen der Wahrheit wie die Malkavianer, sondern nur um des Erlebens und Wahrnehmens willen.
Die Motivationen der Toreador sind so mannigfaltig wie die Kunst selbst. Wer vermöchte zu beschreiben oder zu erklären, was den einen dazu befähigt, innere Impulse, Erlebtes und Erfahrenes, letztlich die Gestalt der Welt selbst zu verarbeiten und ihr in Form von Kunst Gestalt zu geben, und den anderen nicht.
Wie alle Künstler suchen die Toreador nach einem tieferen Sinn für eine Existenz, von der sie fürchten, dass sie bedeutungslos ist. Dieses Streben nach der Wahrheit, und letztlich nach Vollkommenheit und Erlösung ist es, was das Herz der heiligen Mission der Familie bildet: Den Genius der menschlichen Rasse zu bewahren.
Die Toreador als solche sehen sich als Hüter der Menschheit, die alle künstlerischen Genies vor den Unbilden von Alter und Tod bewahren wollen.
Ihre Faszination für Schönheit ist aber auch ihre größte Schwäche: Toreador schwelgen so in der Wahrnehmung der Wunder der Welt, dass sich viele völlig dem Genuss und dem Luxus hingeben, bis sie schließlich süchtig nach Schönheit und Genuss werden, die ultimativen Inkarnationen von Dekadenz.
Ein weiteres Problem stellt sich den Toreador in Gestalt der ganz banalen und höchst unwillkommenen Geschäfte dar, die man nunmal als Familie tätigen muss, und die irgendjemand erledigen muss.
So kommt es, dass in der Familie Toreador verschiedenste Kreaturen versammelt sind, die – und das ist eine weitere Schwäche der Familie – zu großem Individualismus aufgrund der Einzigartigkeit ihrer Wahrnehmung, Erfahrung und Fähigkeit tendieren, was die Familie bisweilen schwächt.
Wie spiele ich einen Toreador?
Jede Familie hat sein eigenes »Grundgefühl«, etwas zutiefst »familientypisches«. Auch wenn die Versuchung, etwas ganz und gar Untypisches darzustellen, groß ist, sollte man bedenken, dass ohne das »Familientypische« die Familie zerfällt und letztlich unbedeutend wird.
Vampire lebt von Klischees und Archetypen, und die gesamte Vielfalt der Clansfeindschaften und der daraus entstehenden Intrigen kann nicht funktionieren, wenn nicht jeder Clan so dargestellt wird, wie er ist.
Als Toreador musst du dir zunächst bewusst werden, welche Facette aus dem breitgefächerten Repertoire der Familie du darstellen willst. Wenn du einen Künstler spielen willst, so solltest du entweder eine Kunst handwerklich beherrschen oder aber – und dies bitte nur als Neonate – dein Unvermögen als Absicht darstellen und vehement die verklemmte, handwerklichen Gesetzen unterworfene überkommene Kunst angreifen. Nicht jeder kann malen wie Rembrandt, aber auch nicht jeder kann Fett als Kunst etablieren.
Du könntest natürlich auch einen Hedonisten spielen. Das muß kein Widerspruch zum Künstler sein – viele Künstler schwelgen in ihrer Dekadenz, im Drogenrausch und im Exzeß. Der Hedonist – so er denn Künstler ist oder war – hat sich zu einem guten Teil im Erleben von Kunst und Sinneseindrücken verloren. Versorgt von Geringeren seiner Familie oder Ghulen, ist er sich selbst das Zentrum der Welt.
Natürlich könntest du einen Kunstkenner spielen, der in sterblichen Tagen viel Geld gesammelt hat und als generöser Mäzen auftrat, und der nun für die Toreador Geschäfte abwickelt und die Kunst auch weiterhin zu fördern trachtet.
Liegt dein Geschick in den Wallungen der Gesellschaft, glühst du vor Charisma oder Schönheit, so könntest du auch einen der Toreador spielen, der um seine Anmut der Ewigkeit für würdig befunden wurde und nun für die Familie als charmanter Gesellschafter, Hüter der Etiquette oder Botschafter am Hofe der anderen Familien agiert. Du kannst alles sein. Performance-Künstler, weißbepuderter Adeliger, Körperkünstler, Bankier, anmutige Grazie, Muse eines Künstlers, verzogener Snob, hingebungsvoller Sucher nach der Göttlichkeit, Priester der Schönheit, ein ausgebranntes Genie, ein Kunstgelehrter.
Nur der Schönheit verfallen musst du sein, denn dies ist das Herz der Toreador.
Der Familienvorteil
Die Toreador sind ganz und gar dem Weltlichen verbunden und unterhalten enge Beziehungen zur Welt der Sterblichen, wo sie Leidenschaft, Leben, Genie, Tragik und Schönheit finden. So verbandelt mit den Sterblichen, fällt es keinem Toreador schwer, an Blut zu kommen – jeder Toreador besitzt eine Herde, von der er trinken kann.
Demzufolge können Toreador den Abend immer mit einem vollen Blutpool beginnen, unabhängig von weiteren Einschränkungen – sie brauchen nicht zu jagen.
Der Familiennachteil
Toreador sind Gefangene der Schönheit. Wann immer ein Toreador etwas nach seinem Empfinden faszinierend Schönes wahrnimmt, sei es eine Musik, ein Bildnis, der Klang einer Stimme, ein geneigtes Haupt, der Fall eines Schattens, das Licht des Mondes, ein perfekter Moment, eine Erinnerung, ein Antlitz in der Menge, er wird sofort derart gefangengenommen von diesem Eindruck, dass er nichts anderes mitbekommt.
Diese faszinierte Starre hält solange an, wie der auslösende Reiz wahrgenommen werden kann (im Spiel aber maximal 30 Minuten) oder bis der Toreador 1 Punkt Willenskraft ausgibt.
Während er in der Starre ist, nimmt er seine Umgebung zwar wahr, ignoriert sie aber, bis zu dem Punkt, dass er sich in Gefahr begibt.
Sofern ein Gegner sich nicht sorglos laut bewegt oder nähert, wird der Toreador ihn nicht bemerken und von einem ggf. stattfindenden Angriff total überrascht sein.
Toreador sollten wenigstens 1x alle 2 Sessions ihren Familiennachteil bewusst ausspielen, gerne öfter.
Rollenspieltipps
* Als Toreador bist du Selbstdarsteller. Lasse es nicht zu, dass unterbelichtete Artgenossen im Licht der Öffentlichkeit stehen.
* Ein Abend ohne künstlerische Darbietung, einen abfälligen Kommentar über einen Artgenossen oder ein die Sinne anregendes Erlebnis ist vergeudet.
* Sieh dir die Filme »Die Bartholomäusnacht« (wegen der Hochzeit), »Amadeus«, »Interview mit einem Vampir« (wegen Lestat) und »Schlafes Bruder« an.
* Sei exzentrisch. Kleide dich auffällig oder unmöglich, gewöhne dir exzentrische Ansichten oder Verhaltensweisen an. Sei extrem in Gebaren, Kleidung und Glauben. Sei niemals Mittelmaß!
* Bringe alles was du kannst über Etiquette in Erfahrung. Als Toreador lebst du von der Gesellschaft, dem feinen Witz, der spitzen Bemerkung, der vorzüglichen Manieren.
* Mach dich schön für den Abend. Betrachte jede Session als Deinen großen Auftritt und bereite dich entsprechend vor.
* Verachte Gewalt, denn in ihr gehen viele Kunstwerke zugrunde. Schätze Gewalt, denn sie ist Leben und Leidenschaft und bringt das Beste und Übelste in Mensch und Vampir hervor.
* Habe eine morbide Faszination gegenüber allen Dingen. Suche das Ungewöhnliche und Abnorme und lass dich davon faszinieren. Wenn es dich langweilt oder abstößt, wende dich lächelnd ab und dem nächsten Objekt deiner Begierde zu.
* Sei neugierig auf Deine Artgenossen. Sei ihnen angenehmer Gesellschafter, erkundige dich nach ihrem Leben, ihrem Glauben, ihrem Streben. Es ist unterhaltsam, ihnen zu lauschen, und gibt dir vielleicht Inspiration für ein neues Werk – und wenn nicht, hast du wenigstens etwas in der Hand, mit dem du den Schwachkopf fertigmachen kannst.
* Das Herz der Toreador ist kalt. Spiele mit den Gefühlen der anderen. Säe Eifersucht.
* Manipuliere die anderen. Unter der Woche schaffst du große Kunst. Bei den Sessions spielst du, entspannst du, machst du Politik und holst dir neue Anregungen.
* Suche dir einen, der Macht hat, und sei ihm ein loyaler Freund. Liebe ihn und flüstere ihm deine Wünsche ins Ohr. Aber hintergehe ihn nicht, wenn er gut zu dir ist.
* In deiner Kunst sei vollkommen. Lasse niemanden deine Kunst kritisieren. Wer dein Genie nicht anerkennt, ist nur ein Neider.
* Spende höflichen Applaus für die Kunst der weniger Begabten. Sei geizig mit deinem Lob, aber gib es, wenn es verdient wurde.
* Toreador sind die »vampirischsten« unter den Vampiren, die Krone der vampirischen Schöpfung. Sei der freundlichste oder grausamste Vampir, aber niemals das Mittelmaß!
* Ein Abend ohne künstlerische Darbietung, einen abfälligen Kommentar über einen Artgenossen oder ein die Sinne anregendes Erlebnis ist vergeudet.
* Sieh dir die Filme »Die Bartholomäusnacht« (wegen der Hochzeit), »Amadeus«, »Interview mit einem Vampir« (wegen Lestat) und »Schlafes Bruder« an.
* Sei exzentrisch. Kleide dich auffällig oder unmöglich, gewöhne dir exzentrische Ansichten oder Verhaltensweisen an. Sei extrem in Gebaren, Kleidung und Glauben. Sei niemals Mittelmaß!
* Bringe alles was du kannst über Etiquette in Erfahrung. Als Toreador lebst du von der Gesellschaft, dem feinen Witz, der spitzen Bemerkung, der vorzüglichen Manieren.
* Mach dich schön für den Abend. Betrachte jede Session als Deinen großen Auftritt und bereite dich entsprechend vor.
* Verachte Gewalt, denn in ihr gehen viele Kunstwerke zugrunde. Schätze Gewalt, denn sie ist Leben und Leidenschaft und bringt das Beste und Übelste in Mensch und Vampir hervor.
* Habe eine morbide Faszination gegenüber allen Dingen. Suche das Ungewöhnliche und Abnorme und lass dich davon faszinieren. Wenn es dich langweilt oder abstößt, wende dich lächelnd ab und dem nächsten Objekt deiner Begierde zu.
* Sei neugierig auf Deine Artgenossen. Sei ihnen angenehmer Gesellschafter, erkundige dich nach ihrem Leben, ihrem Glauben, ihrem Streben. Es ist unterhaltsam, ihnen zu lauschen, und gibt dir vielleicht Inspiration für ein neues Werk – und wenn nicht, hast du wenigstens etwas in der Hand, mit dem du den Schwachkopf fertigmachen kannst.
* Das Herz der Toreador ist kalt. Spiele mit den Gefühlen der anderen. Säe Eifersucht.
* Manipuliere die anderen. Unter der Woche schaffst du große Kunst. Bei den Sessions spielst du, entspannst du, machst du Politik und holst dir neue Anregungen.
* Suche dir einen, der Macht hat, und sei ihm ein loyaler Freund. Liebe ihn und flüstere ihm deine Wünsche ins Ohr. Aber hintergehe ihn nicht, wenn er gut zu dir ist.
* In deiner Kunst sei vollkommen. Lasse niemanden deine Kunst kritisieren. Wer dein Genie nicht anerkennt, ist nur ein Neider.
* Spende höflichen Applaus für die Kunst der weniger Begabten. Sei geizig mit deinem Lob, aber gib es, wenn es verdient wurde.
* Toreador sind die »vampirischsten« unter den Vampiren, die Krone der vampirischen Schöpfung. Sei der freundlichste oder grausamste Vampir, aber niemals das Mittelmaß!
Ziele
Jeder Charakter hat eindeutige Ziele, die er durchzusetzen versucht. Das ist auch gut so – denn bei Gradus in Obscuritatem kommen die Plots von den Charakteren, nicht etwa von der SL.
Bei Gradus in Obscuritatem braucht sich niemand zu langweilen. Wenn es eine jener ruhigen Sessions ist, sollte dies jedem Spieler Aufforderung sein, mit seinem Charakter aktiv zu werden – z.B., indem man versucht, seine Ziele zu verfolgen.
Unabhängig von den individuellen Zielen deines Charakters gibt es bestimmte Zielsetzungen, die als »familientypisch« gelten können und die dein Charakter zusätzlich zu seinen eigenen Zielen verfolgen sollte.
Neugeborene
Die jungen Toreador sind noch nicht eingewoben in das feine Gespinst aus Rivalitäten innerhalb der Familie und zwischen den Familien. Die überaus meisten sind vollkommen fasziniert und begeistert von ihrer neuen Existenz und schwelgen in der Vielzahl der neuen Eindrücke. Es gibt kein schöneres Leben als dieses, und zuweilen sind die jungen Toreador wie betäubt von sich selbst. Die Familienschwäche sollte oft präsent sein, denn alles ist für junge Toreador wunderschön (»...und ich weinte ob der Schönheit der Nacht«). Ziele für Toreador-Neonaten sind:
* Schwelge in deiner Unsterblichkeit. Du bist geradezu süchtig danach, all die neuen Eindrücke aufzunehmen. Lerne alle Artgenossen kennen. Strebe nach neuen Eindrücken. Experimentiere mit deinen Kräften. Lebe!
* Sammle Status in deiner Familie. Die Toreador erschaffen keinen Hanswurst, und dein Schöpfer hat hohe Erwartungen an dich. Nun ist die Zeit, der Familie zu zeigen, dass du eine wunderbare Rose in der Familie werden wirst, kein Unkraut.
* Mach einen Rivalen fertig. Du suchst nicht unbedingt nach Streit, aber als ein frisch erschaffenes Genie und ein wunderbares Wesen der Nacht lässt du dir auch nichts gefallen. Wenn jemand glaubt, dich herumschubsen zu können, nur weil du jung bist, wirst du Mittel und Wege finden, es ihm heimzuzahlen.
* Sammle Status in deiner Familie. Die Toreador erschaffen keinen Hanswurst, und dein Schöpfer hat hohe Erwartungen an dich. Nun ist die Zeit, der Familie zu zeigen, dass du eine wunderbare Rose in der Familie werden wirst, kein Unkraut.
* Mach einen Rivalen fertig. Du suchst nicht unbedingt nach Streit, aber als ein frisch erschaffenes Genie und ein wunderbares Wesen der Nacht lässt du dir auch nichts gefallen. Wenn jemand glaubt, dich herumschubsen zu können, nur weil du jung bist, wirst du Mittel und Wege finden, es ihm heimzuzahlen.
Ancillae
Diese Toreador existieren lange genug, um die größeren Zusammenhänge zu verstehen. Sie haben genug ihrer Geschwistert unter den Ahnen der Familie buckeln gesehen, um dann als Spielzeug oder Bauer im Jyhad zu enden, und sie haben sich geschworen, dass ihnen das auf keinen Fall passieren wird. Ihre typischen Ziele sind:
* Verteidige deinen erarbeiteten Status und strebe nach mehr davon. Du bist ständig bestrebt, deinen Status zu verbessern. Deshalb hältst du dich an einen Ahnen, der dir entsprechende Protektion gibt. Unglücklicherweise sehen besagte Ahnen in dir eine potentielle Gefahr für sich selbst – du spielst also ein gefährliches Spiel, und du fragst dich zuweilen, ob es die Arbeit wert ist – aber dann siehst du die statushungrigen Neonaten, die begierig auf deinen Sturz warten, und du schauderst.
* Halte die jüngeren Toreador klein. Sie warten nur darauf, dass du einen Fehler begehst – also begehe keinen. Je geringer die Bedeutung der jüngeren Toreador, desto weniger wiegt ihr Wort gegen dich. Suche dir einen Favoriten, den du dir Untertan machst, aber wirf den anderen Neonaten Knüppel zwischen die Beine – bleibe dabei natürlich freundlich und »großherzig«.
* Sorge dafür, dass Rivalen ihr Gesicht verlieren. Jeder, dessen skandalöses Betragen du bekannt machst oder den du in peinliche Situationen manövrierst und der dadurch Status verliert, ist ein Konkurrent weniger.
* Halte die jüngeren Toreador klein. Sie warten nur darauf, dass du einen Fehler begehst – also begehe keinen. Je geringer die Bedeutung der jüngeren Toreador, desto weniger wiegt ihr Wort gegen dich. Suche dir einen Favoriten, den du dir Untertan machst, aber wirf den anderen Neonaten Knüppel zwischen die Beine – bleibe dabei natürlich freundlich und »großherzig«.
* Sorge dafür, dass Rivalen ihr Gesicht verlieren. Jeder, dessen skandalöses Betragen du bekannt machst oder den du in peinliche Situationen manövrierst und der dadurch Status verliert, ist ein Konkurrent weniger.
Ahnen
Unter den Ahnen befinden sich einige der größten Künstler, die je gelebt haben. Sie regieren über die großen Bälle und halten Hof, und selbst die Ventrue kriechen vor ihnen im Staub. Aber: Die Luft da oben ist dünn, und wenn du ihnen gefährlich wirst, werden sie dich bloßstellen und zu Fall bringen.
Toreador in der Chronik
Die Toreador sind die einflußreichste Familie in Deutschland, vielleicht in ganz Europa. Diese Position ist in Deutschland gefährdet durch den Verfall der Macht der Ventrue und den Aufstieg der Brujah.
Oh, natürlich, auch die Brujah lassen sich um den kleinen Finger wickeln, aber diese Tiere hegen einen Groll gegen die Toreador, die langzeitigen »Partner« der Ventrue und Tremere.
Hamburg gehört den Toreador praktisch, residieren dort doch zwei Ahnen der Familie (Visconti und Sieveking), und Berlin-Ost wird von einem Toreador-Prinzen regiert – Zeichen einer neuen Politik, in der die Toreador den Schatten der erschwachenden Ventrue verlassen und selbst zum Herrscher werden?
Gedanken zur Kunst und den Toreador
Von Sonja Beer
Ancilla oder: Toreador-Ancilla
Als Mitverantwortliche für die Ancilla-Schwemme möchte ich endlich mal Stellung beziehen zu den Missständen im Charakterplay, wie sie meiner Meinung nach leider immer noch existieren und zu Recht die Frage aufwerfen, warum einige Leute hohen Status spielen dürfen und andere nicht.
Ich möchte hier nicht nur die Toreador kritisieren und vor allem niemanden persönlich. Jeder Leser kann sich ja mal überlegen, ob er meine Argumente wichtig findet (oder nicht) und inwieweit er sich von den Erwartungen an Clansspezifika angesprochen fühlen könnte, etwas im eigenen Charakterplay zu ändern.
Dortmund ist und war eine Toreador-geprägte Domäne. Es existiert eine umfangreiche Beschreibung der Häuser und Gilden, wobei ersteres teilweise, letzteres so gut wie gar nicht dargestellt wird – das hat sich einfach im Lauf der Zeit als praktikabel erwiesen.
Was diese Toreador-Konzepte allerdings sollen – und das ist für Spieler anderer Clans vielleicht auch mal wichtig zu erfahren – ist nicht in erster Linie, Klüngelstrukturen anzubieten, auf die man sich berufen kann, wenn man sich verbündet. In der Beschreibung geht es deutlich um KUNSTTHEORIE.
Man kann wohl annehmen, dass die wenigsten Torri-Spieler von sich aus Ahnung von Kunsttheorie haben, häufig wohl nicht mal von berühmten Kunstwerken und davon, was in den Lebensjahren ihres Charakters überhaupt an verschiedenen Kunstrichtungen geschaffen wurde.
Die Haus-Konzepte geben hier einen Anstoß, sich Charaktere nicht einfach vorzustellen als „Fotograf“/“Maler“/“Dichter“/“Bildhauer“, sondern sich für eine ideologische Richtung zu entscheiden und daran die Persönlichkeit und die Entscheidungen des Charas auszurichten.
Also: Recherche über Kunsttheorie!! Umsetzung!!
Ich erwarte von jedem höhergestellten Toreador, dass es sich auch „von außen“ irgendwie nachvollziehen bzw. recherchieren lässt, welcher Kunsttheorie er verpflichtet ist. Auf Spieltreffen singende, malende, fotografierende etc. Charaktere sind ja sehr unterhaltsam, doch es gehört zum Clanshintergrund, dass die meisten Torris keine aktiven erfolgreichen Künstler mehr sind! Stattdessen hocken sie auf den Ideologien vergangener Zeiten und versuchen sich und ihren Klüngel mithilfe ihrer Ideologie selbstzustilisieren.
Es geht um diese Selbststilisierung, die ganz eindeutig im Ancilla-Spiel noch hinkt. Dabei ist sie doch viel einfacher und eindrucksvoller darzustellen als künstlerische Betätigung, nämlich durch Anschauungen und Handlungsentscheidungen, also das normale Charakterplay!
Von Ancilla-Darstellern erwarte ich also nicht, dass sie regelmäßig Vorführungen geben. Aber ich erwarte, dass sie eine besondere Aura von kunstideologischer Versponnenheit um sich aufbauen und diese konsequent für ihre Politik einsetzen, um die unter ihnen stehenden Toreador sowie die anderen Clans zu beeindrucken. Es ist gleichgültig, welche Kunsttheorie das ist und ob ich sie persönlich mag – Hauptsache, da ist was, womit man arbeiten kann!!
Die Ausrede, der Ancilla sei eben modern und hänge keinen altertümlichen Kunstvorstellungen mehr an, zählt übrigens nicht, wenn er dafür keine modernen Kunsttheorien zitiert, wenn er sich kleidet, spricht, liebt usw….
Natürlich bedeutet das umgekehrt, dass die Mitspieler so eine Darstellung wahrnehmen und darauf reagieren, auch wenn das von Seiten anderer Clans manchmal nur Verachtung für oder Verwirrung über die bizarren Ideen der Toreador sein kann. Umgekehrt erlebe ich es aber auch viel zu selten, dass mal jemand die (gruselige?) Faszination ausspielt, die Toreador auf andere Clans ausüben – auch wenn diese dann Willenskraft aufbringen müssten, um sich dieser Faszination zu entziehen!
Ebenso wie Status freiwillig von anderen Spielern beachtet wird – und ein Prinz nicht jeden Abend wieder seine Untertanen mit Gewalt zwingen muss, vor ihm zu knien* – müssen Clansspezifika gesehen und gespielt werden. Wird das ignoriert, bedeutet das nicht nur mangelnde Achtung vor den Mitspielern, sondern auch, die Vision der "World of Darkness" bzw. von Dortmund zu beschneiden auf das Stück, das für einen selbst angenehm ist!
Und eh ich es vergesse: Ab sofort werde ich es sanktionieren, wenn mir höhergestellte Torris begegnen, die keine ideologische Ausprägung zu erkennen geben! ärgerlich
EDIT: *Nein, ich meine nicht damit, dass ein Charakter seinen Status nicht immer wieder verteidigen muss... doch unser Spiel funktioniert offensichtlich nur, weil sich der Großteil der Spieler UND Charaktere dran hält. Im Zusammenspiel mit Gästen, die dieses Status-Ding nicht im selben Maß berücksichtigen, wird das ja immer wieder deutlich.
(...)
Da muss ich mich wohl deutlicher ausdrücken, denn ich meinte weder das, was Lia schreibt, noch das, was Askarlin schreibt...
Torris sind definiert als "Künstler"-Clan.
Das Künstlerische sollte in der Domäne Dortmund noch nie in erster Linie über wallende Kleider oder selbstgemalte Bilder vermittelt werden, sondern über die geistigen Inhalte, die jeder Kunstform unterlegt sind - einfach, weil man bei den Spielern weder das Kleingeld, das Aussehen noch das Talent unterstellen darf, hier authentisch zu sein!
Jeder echte Künstler hat/hatte Ansichten über Kunst - eine Programmatik, eine Kunsttheorie. Diese Anschauungswelt ist jeweils sehr weit und überschneidet sich natürlich mit anderen. Hinzu kommt, dass ein Vampir, insbesondere ein älterer, durch sein langes Leben von verschiedenen Kunsttheorien beeinflusst wird. Dennoch benötigt er einen festen Standpunkt, wie abstrus auch immer er scheinen mag, und er muss ihn vertreten können und sich von ihm leiten lassen, denn dieses Spiel ist keine freie Improvisation, Lia, es ist ein Improvisationsspiel um STANDPUNKTE, die sich durch die Interaktion verändern.
Es ist also gerade nicht so, wie Lia vermutet, dass eine FUNDIERUNG des künstlerischen Schaffens einengend wäre! Wenn ich nicht weiß, warum der olle Ancilla so komisch redet, kann ich ihn zwar cool finden, aber echte seelische & geistige Tiefe und damit Chancen zu wirklich spannendem politischem Spiel fehlen.
Einengend ist es hingegen, wenn man sich eine künstlerische Äußerungsform wählt, wie Jugendliche ihre Subkultur mit entsprechenden Badges und Bands, und ganz fest dran bleibt, z.B. immer nur antike Fresken herstellt oder ausschließlich realistische Fotokunst... wie öde.
Also zusammengefasst:
Die Darstellung des Künstlerischen - und nicht einer bestimmten Kunstform! - ist das wesentliche Charakteristikum des Clans Toreador. Es kann erwartet werden, dass dieses dargestellt wird, und zwar möglichst nicht platt und einseitig, sondern reflektiert und kreativ - wie es für dieses hochkomplexe Spiel angemessen ist!
Dafür braucht man weder viel Geld noch ne universitäte Ausbildung. Es würde vielfach schon sehr helfen, wenn jeder Torri-Spieler verpflichtet würde, sich eine Stunde lang mit Hilfe von Google über die Kunst zu informieren, die er vorgibt zu spielen!!
Ich kann ja auch von nem Gangrel (um ein Beispiel zu nennen) erwarten, dass er weiß, wie das Tier aussieht und lebt, das er spielt!
Völlig inakzeptabel ist es in dem Zusammenhang übrigens auch, wenn der Torri-Nachteil weder ausgespielt wird noch der/die Spieler/in sich überlegt hat, wie der Charakter ausgerechnet zu dem Trigger kommt, den man sich dafür ausgedacht hat. "Ich bin Fotograf und gerate in Trance bei einem perfekten Körper!" - ist eine Idee des Publikums und nicht eines Künstlers.
EDIT: Mag sein, dass meien Ausführungen sehr anspruchsvoll klingen (klingen!), aber es geht hier ja auch nicht um nen Einstellungstest für Toreador-Neulinge, sondern um Ancillae!!!
Regeln für die Familie Toreador
Spezielle Vorzüge und Makel der Familie Toreador
Kontrollierbarer Durst (Vorzug: 1 Punkt) (psychologisch)
Der Charakter ist die Gesellschaft der Menschen so sehr gewohnt, daß er leichter der Raserei durch den Hunger entgehen kann. Er gibt immer einen Willenskraftpunkt weniger aus, jedoch niemals weniger als einen, um sich gegen die Raserei aufgrund Hungers zu wehren.
Sterblicher Doppelgänger (Vorzug: 2 Punkte) (sozial, menschlich)
Der Charakter verfügt über einen Diener/Ghul, der Ihm wie aufs kleinste Detail gleicht. Ob es nun ein echter Zwillingsbruder oder jemand ist, der per Schönheitsoperation umgearbeitet wurde oder etwas ganz anderes, sei dem Spieler und dem lokalen ST überlassen. Dieser Diener ist ein hervorragender Schauspieler, der dem Vampir bei Tag helfen kann, seine vampirische Identität zu verbergen.
Blasè (Vorzug: 3 Punkte) (mental)
Der Charakter ist dermaßen affektiert und von sich selbst überzeugt, daß die Disziplin Präsenz mit einen um 2 reduzierten Angriffswert gegen ihn wirkt. Dieser Vorteil darf nicht zusammen mit Eiserner Wille benutzt werden.
Größeres Farbspektrum (Vorzug: 3 Punkte) (Aufmerksamkeit)
Die Farbenwahrnehmung des Charakters ist immens. Beim Aurenlesen kann er immer ein Gefühl mehr erfragen
Machtvoller Ghul (Vorzug: 3 oder 5 Punkte) (sozial, vampirisch)
Der Charakter hat einen wirklich machtvollen Ghul, der ihm bereits seit vielen Jahren dient. Für diesen Ghul sollte ein Hintergrund erarbeitet werden, als wäre es ein Spielercharakter. Eine Disziplin dieses Ghuls kann eine Stärke von 2 erreichen. Die Punkte des Ghuls entsprechen denen eines Standardspielercharakters (Vampir). Dieser Ghul wird sehr schnell auf andere Bekannte und Allierte des Charakters eifersüchtig. Dieser Vorteil kostet 3 Punkte, wenn der Ghul ein Charakter auf dem Storyboard ist, 5 wenn es ein gespielter Charakter ist. Dieser Vorteil ist auch den beiden anderen »gesellschaftlichen« Familien, Brujah und Ventrue, zugänglich.
Rivale (Makel: 1-2 Punkte) (sozial, vampirisch)
Der Charakter hat eine intensive Rivalität mit einem anderen Vampir. Die genauen Auswirkungen dieser Rivalität, müssen mit den lokalen bzw. beteiligten ST`s im Detail besprochen werden. Dieser Nachteil bringt 2 Punkte, wenn der Rivale gespielt wird, 1 wenn es ein Charakter auf dem Board ist.
Gequälter Künstler (Makel: 2 Punkte) (psychologisch)
Dieser Nachteil ist hauptsächlich schauspielerischer Natur. Der Charakter leidet an seiner Arbeit. Alles, was er erschafft, ist voller Makel und imperfekt. Der Charakter durchlebt andererseits lange Phasen voller Depressionen, die ihn hindern, seine Kunst zu vollziehen.
Vulgär (Makel: 1 Punkt) (mental)
Der Charakter ist stil- und etikettelos und wird es auch immer zur Schau stellen.
Sozial Ausgestoßener (Makel: 3 Punkte) (sozial, vampirisch)
Der Charakter hat sich komplett von seiner Familie abgewandt und spielt nicht mehr weiter die dummen Spiele der Gilden und Häuser. Er ist das Äquivalent eines Anarchen in seiner Familie. Die Anarchen wiederum werden den Charakter aufgrund seiner loyalen früheren Stellung zur Familie Toreador nicht akzeptieren. Der Charakter wird zu einem Einzelgänger.
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